Präsident tritt nicht ab
Senegal rückt in Gambia ein

Krise in Gambia: Nach 22 Jahren ist Yahya Jammeh abgewählt – doch er tritt auch dann nicht ab, als der neue Präsident Adama Barrow vereidigt ist. Nun schreiten Soldaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ein.
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Banjul/DakarEin Bündnis westafrikanischer Staaten hat in Gambia einen Militäreinsatz gestartet, um Wahlsieger Adama Barrow ins Präsidentenamt zu verhelfen. Die senegalische Armee erklärte am Donnerstag, man habe die Grenze zum Nachbarland überschritten. An der Aktion sollen sich demnach Einheiten an Land, in der Luft und zur See beteiligen. Der Einsatz wurde allerdings unterbrochen, um einen letzten Vermittlungsversuch zu unternehmen, wie ein Vertreter der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas erklärte.

Barrow gewann die Wahl am 1. Dezember. Der langjährige Machthaber Yahya Jammeh erkennt allerdings die Niederlage nicht an und will das Amt nicht aufgeben. Der UN-Sicherheitsrat hatte sich hinter Ecowas gestellt. Auch die USA haben erklärt, sie seien für die Intervention Senegals. Ecowas erklärte, bei dem letzten Vermittlungsversuch gehe es darum, dass Jammeh ins Exil gehe. Die Länder in der Region seien für eine Amnestie offen.

Der seit 22 Jahren mit harter Hand regierende Jammeh wollte auch trotz des Ablaufs seiner Amtszeit am Mittwoch nicht abtreten. Daher war Barrow zu seiner Vereidigung am Donnerstag aus Sicherheitsgründen in den Senegal ausgewichen.

Augenzeugen in der Grenzstadt Karang berichteten von langen Kolonnen von Militärfahrzeugen mit schwerbewaffneten Soldaten. Neben dem Senegal hatten auch Nigeria und Ghana Soldaten für den Einsatz bereitgestellt. Stunden zuvor hatten nach Berichten afrikanischer Medien mehrere Aufklärungsflugzeuge der nigerianischen Luftwaffe die Grenzregion sowie die Lage in der gambischen Hauptstadt Banjul ausgekundschaftet. Kurz vor dem Losschlagen der Ecowas-Truppen hatte der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen dem neuen Staatschef Barrow Barrow per einstimmig verabschiedeter Resolution seine Unterstützung ausgesprochen.

Amtseid im Nachbarland

Barrow hatte am Mittag in der gambischen Botschaft im Senegal seinen Amtseid abgelegt. Nun sollten alle Gambier zusammenstehen, um dem Land zu einem Neuanfang zu verhelfen, forderte er in der im staatlichen Fernsehen übertragenen Zeremonie.

Seine Regierung werde sich für Reformen und eine Stärkung der Demokratie einsetzen, erklärte Barrow. Er warnte die gambischen Streitkräfte, sich ihm als rechtmäßigen Präsidenten nicht zu widersetzen. Zudem forderte er sie auf, in den Kasernen zu bleiben. Soldaten, die bewaffnet außerhalb der Kasernen gefunden würden, „werden als Rebellen betrachtet werden“.

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