Präsident unter Verdacht
Afghanistans Behörden lassen Top-Taliban auf freien Fuß

Afghanische Sicherheitskräfte lassen inhaftierte Mitglieder der radikal-islamischen Taliban für Geld oder aus politischen Gründen laufen. An den Freilassungen sind auch Präsident Hamid Karsai und sein Halbbruder Ahmed Wali Karsai beteiligt, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr. Bundeswehr-Tornados beenden ihren Einsatz.
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HB KABUL. Den Recherchen zufolge behindern ein kompliziertes System von Abhängigkeiten und die verbreitete Korruption den Kampf gegen die Aufständischen. So nahmen kanadische Truppen im März den führenden Taliban Ghulam Haidar in der Region Kandahar fest und übergaben ihn an afghanische Behörden, anscheinend ohne seine genaue Identität zu erkennen. Wenige Tage später wurde Haidar den Informationen zufolge auf Initiative von Ahmed Wali Karsai freigelassen. Karsai ist Chef des Provinzrates von Kandahar.

In einem Reuters-Interview bestritt er, etwas mit der Freilassung zu tun zu haben. Er wäre der Letzte, der Taliban freilassen würde und sei für eine härtere Linie gegen sie, sagte Karsai. Das afghanische Verteidigungsministerium, das Präsidialamt, der Sicherheitsrat und die internationale Isaf-Truppe äußerten sich nicht zu den Reuters-Informationen. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, es sei nicht an Freilassungen von Taliban beteiligt.

Experten zufolge haben die extremistischen Taliban sogar eine eigene Kommission für inhaftierte Glaubensbrüder, die auch für ihre Freilassung zuständig ist. Dies zeige, dass die Taliban dabei ganz systematisch vorgingen und nicht nur gelegentliche Erfolge hätten, sagte Michael Semple, der an der Harvard-Universität forscht.

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