Präsidenten-Wahl

Erdogan setzt voll auf Sieg

Premiere in der Türkei: Erstmals bestimmt das Volk seinen Präsidenten selbst. Beste Chancen auf den Sieg hat Regierungschef Erdogan. Bei der Wahl geht es auch um das künftige politische System der Türkei.
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Mit Erdogans Wahl dürften die rund 55,6 Millionen Wahlberechtigten auch die Weichen für die Einführung eines Präsidialsystems stellen. Quelle: Reuters

Mit Erdogans Wahl dürften die rund 55,6 Millionen Wahlberechtigten auch die Weichen für die Einführung eines Präsidialsystems stellen.

(Foto: Reuters)

IstanbulIn der Türkei wählt an diesem Sonntag erstmals das Volk ein neues Staatsoberhaupt. Als klarer Favorit geht der islamisch-konservative Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ins Rennen. Der 60-Jährige kann Umfragen zufolge bereits im ersten Wahlgang auf eine absolute Mehrheit hoffen.

Mit Erdogans Wahl dürften die rund 55,6 Millionen Wahlberechtigten auch die Weichen für die Einführung eines Präsidialsystems stellen, das dem Amt mehr Macht verleihen würde. Erdogan hat als eines seiner zentralen Ziele eine neue Verfassung angekündigt.

Premier Erdogan spaltet die Türkei
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Ömer Faruk, 52, Beamter, bei einem Ausflug mit seiner Familie in Eminönü.

„Ich habe Erdogan nie gewählt. Aber geschadet hat er unserem Land auf keinen Fall. In dieser Gezi-Park-Sache unterstütze ich ihn zu 100 Prozent. Die Demonstranten verhalten sich daneben. Ich finde, Erdogan hat sich in dieser Angelegenheit richtig verhalten. Vielleicht wähle ich ihn das nächste Mal."

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Eyüp Sanir, 22, putzt Schuhe in Eminönü.

„Recep Tayyip Erdogan steht für Macht. Kein Politiker war seit Atatürk und der Republikgründung so einflussreich wie er. So falsch kann er seine Sache also nicht machen. Dass er diese riesige Kundgebung veranstaltet hat, um Stimmung gegen die Demonstranten zu machen, fand ich aber nicht gut."

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Güney, 17, Student, ist seit Beginn der Proteste am Taksim-Platz mit dabei.

„Recep Tayyip Erdogan ist nichts anderes als ein ehrloser Diktator. Er versucht die Menschen zu beugen, damit sie nach seinem Willen leben. Ich bin nicht nur hier, um den Gezi-Park zu retten, sondern auch, um dieser Tyrannei nicht mehr einfach so zuzuschauen."

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Erol Temürci, 35, arbeitet bei einem türkischen Telekomunternehmen. Er steht auf einem Platz in Kadiköy, einem Stadtteil auf der asiatischen Seite. Auf dem Schild um seinen Hals steht „Bertaraf Capulcu“, das heißt „Eliminierter Marodeur“.

„Wofür Erdogan steht? Nach den Demonstrationen ist die Polizei sogar zu mir nach Hause gekommen, um mich zu bedrohen. Sie wollen mir vorgeben, was ich denken soll. Dafür steht Erdogan und deshalb gebe ich meinen Widerstand nicht auf. In einem solchen Land hat man sowieso nichts mehr zu verlieren."

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Hümeyra, 33, Hausfrau, kauft mit ihrer Tochter Tugba, 7, im Istanbuler Stadtteil Kadiköy ein.  

„Wir können nichts Schlechtes über Recep Tayyip Erdogan sagen. Ich verstehe die Demonstranten nicht. Er hat die Türkei zu dem gemacht, was sie heute ist. Früher hat man uns schief angeschaut, das ist nicht mehr so. Die Türkei ist ein schönes, sauberes Land."

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Ayse S., 57, Besitzerin einer Boutique in Kadiköy. 

„Recep Tayyip Erdogan soll abdanken. Was der Mann mit unserem Land macht, ist unerträglich. Wohin soll das denn alles führen? Zustände wie in Saudi-Arabien? Nur noch Vollverschleierte? Hier im Viertel können Sie jeden fragen, egal ob alt oder jung: Der Mann muss weg."

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Gülbahar Aydin, 24, ist Verkäuferin im Misir-Carsi, dem berühmten Istanbuler Gewürzbasar.

„Das Volk liebt Recep Tayyip Erdogan. Er ist klug und durchsetzungsstark. Wie jeder Politiker hat er natürlich seine Schwächen. In den Medien entsteht aber im Moment ein vollkommen falsches Bild. Als würden die Türken Erdogan ablehnen. Das tun sie aber nicht."

Die beiden größten Oppositionsparteien CHP und MHP haben den früheren Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, nominiert. Der 70-Jährige hat sich gegen ein Präsidialsystem ausgesprochen. Die pro-kurdische Partei HDP schickt ihren Ko-Vorsitzenden, den Kurden Selahattin Demirtas (41), ins Rennen.

Sollte am Sonntag keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erzielen, ist für den 24. August eine Stichwahl geplant. Der scheidende Präsident Abdullah Gül - der wie Erdogan zu den Gründern der Regierungspartei AKP zählt - trat nicht erneut an.

Wird Erdogan jetzt zum Autokraten?
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