Präsidentengattin vor klarem Sieg
Argentinien wählt

Die Präsidentenwahl in Argentinien hat am Sonntag zwar mit vereinzelten Verzögerungen begonnen, verlief dann aber weitestgehend ruhig.

HB BUENOS AIRES. Letzten Umfragen zufolge konnte Cristina Fernandez de Kirchner mit einem klaren Vorsprung rechnen, der ihr bereits in der ersten Runde den Sieg sichern dürfte. Die langjährige Senatorin wird damit voraussichtlich als erste gewählte Frau in der Geschichte des Landes in den Präsidentenpalast einziehen. Als weitere Bewerber traten unter anderem die ebenfalls aus dem Mitte-Links-Lager stammende Elisa Carrio sowie der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna an.

Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MEZ) schließen. Mit ersten Ergebnissen der Wahlbehörden wurde für etwa 21.00 Uhr (01.00 Uhr MEZ) gerechnet.

Mehr als 27 Mill. Bürger waren aufgerufen, über die Nachfolge von Präsident Nestor Kirchner zu entscheiden. Cristina, wie seine Frau von den Argentiniern genannt wird, müsste für einen Sieg in der ersten Runde entweder 45 Prozent der Stimmen auf sich vereinen oder 40 Prozent mit einem Vorsprung zum nächsten Kandidaten von mehr als zehn Prozentpunkten. In den Umfragen lag sie zuletzt mindestens 16 Prozentpunkte vor Carrio und gut 20 Prozentpunkte vor Lavagna.

Fernandez dürfte dabei vor allem vom Amtsbonus ihres Mannes profitieren, der zu ihren Gunsten auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet hatte. Der Mitte-Links-Politiker führte das Land aus einer schweren Wirtschaftskrise. Kräftige Anstiege bei Konsum, in der Industrieproduktion und beim Export von Agrargütern haben das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich acht Prozent wachsen lassen, Arbeitslosigkeit und Armut sanken um die Hälfte. „Ich glaube an Cristina. Wenn sie gewinnt, wird sie auf den Grundlagen, die ihr Mann gelegt hat, eine gute Regierung errichten“, sagte etwa der 38-jährige Taxifahrer Carlos Servini in einem Vorort der Hauptstadt.

Experten zufolge hatte die Juristin Fernandez bereits in den vergangenen Jahren entscheidenden Einfluss auf die Regierung ihres Mannes. Im Fall eines Sieges wird daher kein entscheidender Politikwechsel erwartet. Oppositionspolitiker warfen Fernandez unterdessen vor, ihren Wahlkampf auf Staatskosten betrieben zu haben. Die First Lady warb zuletzt vor allem auf Auslandsreisen für ihre Kandidatur.

Vielen Argentiniern machen zudem steigende Inflationsraten und Probleme bei der Energieversorgung zu schaffen. Kritiker werfen der Regierung vor, die offizielle Inflationsrate durch statistische Manipulation künstlich niedrig zu halten. Private Ökonomen gehen davon aus, dass die tatsächliche Inflation rund doppelt so hoch ist wie die offiziellen 8,6 Prozent in den zwölf Monaten bis September. Zudem beschädigten Engpässe bei der Gas- und Stromversorgung sowie Korruptionsfälle in der Regierung das Image der Kirchners.

Neben dem Staatsoberhaupt wird bei den Wahlen auch die Hälfte der Abgeordneten sowie ein Drittel der Senatoren neu bestimmt. In Argentinien herrscht Wahlpflicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%