Präsidentenwahl: Anastasiadis muss in die Stichwahl

Präsidentenwahl
Anastasiadis muss in die Stichwahl

Der konservative Politiker Nikos Anastasiadis hat die Präsidentenwahl in Zypern klar für sich entschieden. Die absolute Mehrheit hat er jedoch verfehlt, weshalb er trotz anderslautender Prognosen in die Stichwahl muss.
  • 16

Nikosia/BerlinDie Zyprer entscheiden in einer Stichwahl am kommenden Sonntag über ihren neuen Präsidenten. In der ersten Runde konnte sich der konservative Politiker Nikos Anastasiadis zwar klar mit 45,46 Prozent der Stimmen gegen seine Mitbewerber durchsetzen. Für einen Erfolg gleich in der ersten Runde fehlte ihm am Sonntag jedoch die notwendige absolute Mehrheit. Sein Gegenkandidat im zweiten Durchgang wird der linke Politiker Stavris Malas sein, der nach Angaben des Innenministeriums in Nikosia mit 26,91 Prozent zweiter wurde. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 83,14 Prozent (2008: 89,62 Prozent).

„Das heutige Ergebnis ist ein Sieg der Kräfte, die wollen, dass Zypern eine neue Seite aufschlägt“, sagte Anastasiadis vor jubelnden Anhängern. Seinen Wahlsieg in der ersten Rund interpretierte er als ein starkes Mandat, die drittgrößte Mittelmeerinsel wieder auf Europakurs zu bringen. „Ich habe heute ein starkes Mandat für eine europäische Orientierung (Zyperns) erhalten“, sagte er.

Der zweitplatzierte Malas wurde hauptsächlich von der kommunistischen AKEL-Partei unterstützt. Beobachter in Nikosia sprachen mit Blick auf den zweiten Durchgang deshalb von einem klassischen Rechts-Links-Duell. Beide Seiten liebäugeln jetzt mit dem Drittplatzierten Vertreter der politischen Mitte, Giorgos Lillikas, der am Sonntag 24,93 Prozent der Stimmen erhielt.

Malas gratulierte Anastasiadis zum Erfolg in der ersten Runde. Zugleich rief er Lillikas Anhänger auf, in der zweiten Runde für ihn zu stimmen. „Diesen Kampf werden wir gewinnen“, sagte der 55-Jährige Mediziner unter dem Jubel seiner Anhänger in Nikosia und bedankte sich bei der Kommunistischen Partei und anderen linken Kräften für die Unterstützung. „Es lebe, das progressive zyprische Volk“, rief er hunderten Anhängern der kommunistischen Partei AKEL zu. Malas lehnt Privatisierungen staatlicher Unternehmen und eine Verschlankung des Staates ab.

Die Stichwahl findet am 24. Februar statt. Auf Zypern wird der Präsident direkt vom Volk gewählt. Er bestimmt und führt die Regierung. Der neue Präsident soll die pleitebedrohte Inselrepublik durch die schwerste Finanzkrise der jüngeren Geschichte führen und vor dem Bankrott bewahren. Zypern braucht nach offiziellen Angaben dringend 17,5 Milliarden Euro, um seine Banken und die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Nur noch bis Ende März ist nach offiziellen Angaben Geld in den Staatskassen.

Im Ringen um Zugeständnisse für das Milliarden-Hilfsprogramm setzt die Europäische Zentralbank auf die zukünftige Regierung in Nikosia. „Wir brauchen vor Ort einen Ansprechpartner, mit dem man ein Anpassungsprogramm verhandeln kann“, sagte das EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“.

Zyperns potenzielle Geldgeber verlangen gewisse Vorleistungen, bevor das Hilfsprogramm beschlossen werden kann. „Um die Schuldentragfähigkeit sicherzustellen, werden wir beispielsweise weitreichende Privatisierungen brauchen“, sagte Asmussen. „Das hatte der bisherige Präsident (Dimitris Christofias) abgelehnt. Jetzt werden wir gucken, ob man bis Ende März ein solches Programm vernünftig verhandeln kann.“

Die Wahl wurde auch im türkisch-zyprischen Norden der Insel mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Insel ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention seit 1974 geteilt. Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU. Das europäische Regelwerk gilt jedoch nur im griechisch-zyprischen Süden. Mehrere Verhandlungsrunden zur Überwindung der Teilung sind in den vergangenen Jahrzehnten gescheitert.

Kommentare zu "Anastasiadis muss in die Stichwahl"

Alle Kommentare
  • 550.000 wahlberechtigte Zyprer: systemrelevant für gesamte EU
    880.000 Einwohner: 17,5 Milliarden für ein insolventes Geschäftsmodell
    ?
    zumindest bei mir muss unser Bildungssystem völlig versagt haben

  • Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU.
    -------------------
    Das haben wir auch der rot-grüne Regierung zu verdaken.
    Die haben ja wie im Wahn jeden in die EU geholt

  • Natürlich lassen sie sich die "fette Beute" nicht entgehen. 17,5 Milliarden Euro entspricht dem jährlichen BIP Zyperns. Und Asmussen sagte ja: "Zypern ist "systemrelevant"."

  • Nikos Korruptidis tritt gegen Stavris Fakelaki an.

    Tolle Wahl, echt super

  • Ob sich nach der Stichwahl etwas ändert,
    ================================
    bleibt zu bezweifeln.
    Zypern wird ihr "Geschäftsmodell" "Steueroase und Geldwäsche" nicht ändern (wollen).
    Auch unabhängige Prüfer haben sie abgelehnt.
    Und was die Privatisierung betrifft ...

    "Andererseits darf Nikos Anastasiades das Geschäftsmodell des Niedrigsteuerstandorts Zypern, wo auf 850 000 Einwohner rund 300 000 Firmen kommen, nicht gefährden."

    Es handelt sich hier um 300.000 Briefkastenfirmen! Die sitzen nicht real auf Zypern!
    Zypern ist nur eine Steueroase und eine Geldwaschanlage!

  • 4 % steuern treiben Steuerparadiese in die Pleite. Und wir sollen die retten? Na gut, aufgrund des angeblich gefundenen, auch dies ist zu überprüfen, ob's nicht nur Vorwand zu schnellen Hilfszahlungen ist, Erdöls in der Region, wäre eine Unterstützung gerechtfertigter als bei denen, die überhaupt keine Steuern bezahlen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ffwn0oCYdoc&feature=related

    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/561146_hart-aber-fair/10879372_21-46-uhr-griechische-reeder-zahlen-keine

    http://www.dailymotion.com/video/xik4kh_debtocracy-international-version_shortfilms#.USH4h479uE3

    http://www.youtube.com/watch?v=QIlqJbLdB78

    Und wer hat aus welchem Grund die Bilanz manipuliert? Die?

    http://www.youtube.com/watch?v=gR_OQ0qtUkQ

  • Die Zyprioten lassen sich die "fette Beute" aus der EU nicht entgehen, währen ansonsten auch Vollidioten!

  • Es ist doch immer wieder überraschend... Nun muss alles wieder gaaanz schnell entschieden werden. Über einen Abwicklungsmodus darf nicht mal laut nachgedacht werden. Wetten dass die Frage der Systemrelevanz bereits entschieden ist? Besteht irgend ein Zweifel, dass der neu gewählte Präsident geforderte Zusagen ablehnen würde? Und selbstverständlich wird er sich danach ganz strickt daran halten.

    Denkverbot

    Freien Wähler
    http://www.youtube.com/watch?v=d3T_XL5Oa14

    Wirtschaftsprofessor Michael Hudson, University Missouri
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=PCAtKq7Mrh0

  • Zypern ist das nächste Land unterm EU Rettungsschirm.
    Deutschland sollte aus der EU austreten und danach die Deutsche Mark wieder einführen, dass ist alternativlos.
    Ansonsten wird die weiter zunehmende Banken-, Staatsschulden- und Privatschuldenkrise für Deutschland und seine Bürger im Super-GAU enden.



  • @ Ein_paar_Fakten

    Zitat : Vielleicht sollten Sie nicht alle Stammtisch-Parolen glauben?

    Ich besuche keine Stammtische, Parolen können mich schon gar nicht beeinflussen.
    Aber wenn die Schmarotzer aus der EU.... Gelder der Steuerzahler verschleudern, um korruptes Pack zu retten, klickt es bei mir..!
    Mich zockt man nämlich, wie Millionen andere Bürger auch, steuerlich ab ! Und ich habe keine Einsicht für Dummschwätzer a la " Sparschweinchen auf Räder", die uns Märchenstunden halten und unsere Gelder, ganz auf Mafia Art, an Steuerparadiese verschieben.
    Und ich bin auch nicht naiv um nicht zu wissen, dass die größten Gängster der EUtopia im Bundestag sitzen !!!

Serviceangebote