Präsidentenwahl
Erstmals steht eine Frau an der Spitze Brasiliens

Dilma Rousseff, Verbündete des bisherigen Amtsinhabers Lula da Silva, hat die Stichwahl um das brasilianische Präsidentenamt klar gewonnen. Die 62-Jährige kündigte an, dass will die Politik ihres Vorgängers fortsetzen. Die Finanzmärkte vertrauen der neuen Präsidentin.
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HB SAO PAULO. In Brasilien übernimmt erstmals eine Frau die Führung von Staat und Regierung. Die 62-jährige Dilma Rousseff setzte sich am Sonntag in der Stichwahl um das Präsidentenamt klar durch und tritt zum Jahreswechsel die Nachfolge des populären Amtsinhabers Luiz Inacio Lula da Silva an. Damit setzen die Brasilianer auf Kontinuität, denn Rousseff war Mitglied im Regierungsteam Lulas und will dessen Kurs fortsetzen. Sie kündigte Reformen des Steuersystem sowie der Verwaltung an und versprach, das Land auf Wachstumskurs zu halten. Lula durfte nach acht Jahren an der Spitze der größten lateinamerikanischen Volkswirtschaft nicht mehr antreten.

Die ehemalige Widerstandskämpferin übernimmt die Führung einer boomenden Volkswirtschaft, die jedoch Gefahren wie ausufernden öffentlichen Ausgaben, einer überbewerteten Währung und einer veralteten Infrastruktur ausgesetzt ist. Rousseff kündigte an, die öffentlichen Ausgaben zurückzufahren, aber die Sozialpolitik ihres Vorgängers zu erhalten, mit deren Hilfe Mio. Brasilianer von der Armut befreit wurden.

Die Finanzmärkte reagierten positiv auf das Wahlergebnis. Investoren sehen in einer größeren Haushaltsdisziplin die Voraussetzung für mittelfristig fallende Zinssätze. Diese zählen zu den höchsten weltweit und sind eine der Ursachen für die hohe Bewertung der brasilianischen Währung. Ein Ende des Höhenfluges des Real würde Brasiliens Ausfuhren begünstigen. Die wichtigsten Exportartikel reichen von Sojabohnen bis zu Eisenerz.

Als weiteres positives Signal werteten Investoren Medienberichte, nach denen Finanzminister Guido Mantega und Zentralbank-Präsident Henrique Meirelles im Amt bleiben sollen. Beide werden als Garanten für ein weiteres Erstarken der brasilianischen Wirtschaft in den kommenden Jahren angesehen.

Die Anhänger der Regierung versammelten sich nach Schließung der Wahllokale zu Tausenden in der Metropole Sao Paulo unweit der Küste und der Hauptstadt Brasilia im Landesinneren. Die Straßen wurden zu einem Meer aus den roten Fahnen der Arbeiterpartei und der Gewerkschaften, die ihre Basis bilden.

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