Präsidentenwahl in Frankreich

„Ich bin in der besten Position“

François Hollande hat die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl gewonnen. Überraschend stark schnitt die rechtsextreme Marine Le Pen ab. Jetzt beginnt der Kampf um die Stimmen der unterlegenen Kandidaten.
Update: 23.04.2012 - 05:40 Uhr 10 Kommentare
Francois Hollande kann die erste Runde der Präsidentschaftswahlen für sich verbuchen. Quelle: AFP

Francois Hollande kann die erste Runde der Präsidentschaftswahlen für sich verbuchen.

(Foto: AFP)

ParisDer Sozialist François Hollande hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Frankreich gewonnen - allerdings mit etwas geringerem Vorsprung als zunächst angenommen. Nach Angaben des Innenministeriums vom Montagmorgen kam Hollande nach fast vollständiger Auszählung der Stimmen auf 28,6 Prozent. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy erreichte 27,08 Prozent. Es fehlten nur die im Ausland abgegebenen Stimmen.

Nach seinem Sieg hat sich François Hollande zuversichtlich gezeigt. „Ich bin in der besten Position“ für die Stichwahl am 6. Mai , rief Hollande im zentralfranzösischen Tulle seinen Anhängern zu. Er werde für eine „gerechte Erneuerung Frankreichs“ kämpfen und Europa neu ausrichten auf Wachstum und Beschäftigung.

Die Kandidaten schreiten zur Urne

Die Überraschung des Wahlsonntags war jedoch die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen: Mit 18,01 Prozent wurde sie dritte. Dies ist das beste Ergebnis, das ihre Partei jemals bei einer Präsidentenwahl erzielen konnte. Ihr Vater, Jean-Marie Le Pen war 2002 mit 16,8 Prozent gegen Jacques Chirac in die Stichwahl eingezogen.

Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon kam auf 11,1 Prozent und der Zentrumspolitiker François Bayrou auf 9,1 Prozent. Die grüne Kandidatin Eva Joly landete bei um die zwei Prozent.

Noch am Abend haben Hollande und Sarkozy den Kampf um die Stimmen der unterlegenen Kandidaten aufgenommen. Sarkozy umwarb am Sonntagabend die Unterstützer des rechtsextremistischen Front National. „Ich rufe alle, die ihr Vaterland lieben auf, mich zu wählen“, appellierte Sarkozy an das nationalistische Lager. Auch inhaltlich ging er erneut auf die Rechtsaußen-Partei zu: Er kündigte an, die Grenzkontrollen zu verschärfen und die Zuwanderung weiter zu begrenzen. Hollande forderte er auf, sich in den kommenden beiden Wochen drei Life-Debatten zu stellen, statt der üblichen einen. „Alles muss debattiert werden, ohne Scheinheiligkeit, ohne Ausweichen ohne Verstecken.“

Hollande rief sich zum Favoriten für die Stichwahl aus. Er sei in der besten Situation, die entscheidende Runde zu gewinnen, sagte er vor Anhängern. Hollande kündigte an, „Europa zurück auf den Pfad von Beschäftigung und Wachstum zu führen“. Er sei sich bewusst, dass er aus dem Ausland scharf beobachtet werde, sagte Hollande, der angekündigt hatte, bei einem Sieg den Europäischen Fiskalpakt nachzuverhandeln.

Umfragen vom Wahlabend sehen Hollande als klaren Sieger der Stichwahl in zwei Wochen. Nach Untersuchungen verschiedener Institute kann er mit 53 bis 56 Prozent der Stimmen rechnen. Wichtige Unterstützung erhielt Hollande schon Stunden nach Schließung der Wahllokale vom Viertplatzierten Jean-Luc Melenchon. Zwar vermied der Kandidat von Linkspartei und Kommunisten es, Hollande explizit beim Namen zu nennen. Gleichwohl rief er seine Anhänger indirekt dazu auf, ihn in der zweiten Runde am 6. Mai zu unterstützen. „Wir müssen die einzige Möglichkeit nutzen, die der Wahlzettel noch bietet. Gibt es einen anderen? Ich will Sarkozy schlagen“, sagte der ehemalige sozialistische Senator.

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10 Kommentare zu "Präsidentenwahl in Frankreich: Hollande sieht sich als Favorit"

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  • in den vergangenen 10 Jahren war das Wachstum in Frankreich meistens höher als in DE mit stabilen Binnenmarkt. Franrkeich hat weniger demographische Probleme, hat eine familienfreundliche Politik, bei den Staatsangestellten steht es eher im Mittelfeld mi ca. 22% weit hinter Skandinavien und diese sind oft im Bereich Erziehung angestellt,

    das Bildungssystem ist egaliärer als in DE -- allein schon dadurch, dass es alternative Bilungswege gibt die in DE nicht verfügbar sind. Die französischen Privatschulen sind gewöhnlich katholisch -- wer es denn mag, das staatliche Schulwesen laizistisch. Die deutschen Schulen sind ständisch organisiert und haben sämtliche Reformen seit 1809 unterlassen. Frankreich hat eine Bürgerschule für alle. Wer ist nun ständisch organisiert? In DE wird der berufliche Weg ab Klasse 4-5 festgelegt! Bei denen erst nach Klasse 12.

    und Frankreich war die vergangene Dekade mit 35 Std.-Woche produktiver als DE lt. den Daten von Eurostat. So schlimm steht Frankreich nun auch nicht da.

    und steigende Strompreise und Preise haben wir selber --- und Kreuzberg mit 45% Arbeitslosen unter jungen Männern steht einer Banlieue in Nichts nach - das ist dasselbe in Türkisch!

    auch die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 17% in DE nicht viel besser und das, obwohl wir viel weniger Jugendliche in den Arbeitsmarkt integrieren müssen. Bildungsmängel gibts hier selber eine Menge --- Frankreich hat fast 80% mit Abitur. In DE arbeitet jeder 5. zwischen 24 und 29 gar nicht und hat auch keine Ausbildung.

    wer glaubt denn noch den Mythos das es in DE besser aussieht?

    und in den Parlamenten in DE sitzen fast nur noch Beamte und Juristen, kaum noch andere -- das nenn ich Beamten- und Eliterepräsentation -- und der deutsche Beamtenstaat ist immernoch im 19. Jahrhundert -- das merkt man an vielen Kleinigkeiten - sogar Lehrer werden hier kastenartig ungleich bezahlt -- der gehobene Stand Gymnasiallehrer, der mittlere Stand Realschullehrer und unterster (19.Jh.)



  • Schockzustand

    sie reden über Deutschland - nicht über Frankreich -- diese Merkmale treffen viel stärker auf Deutschland zu

  • Frage: gehen nun die vielen Le-Pen-Prozente bei der Stichwahl ins Sarko Lager?
    Wäre schön, wenn Hollande gewinnen würde, allein nur darum, daß Murksel mal Gegenwind bekommt. Ansonsten auf irgendwelche Änderungen hoffen? Lieber nicht!

  • Ich kenne Frankreich zu wenig, aber ich glaube, dass Frankreich in viel zu geringer Geschwindigkeit Reformen realisierte.

    Franreich lebt
    . die "grande nation", muss sich aber zunehmend mit schrumpfenden Exporten bei steigenden Importen auseinandersetzen.
    . eine Staatsbürokratie mit leicht barockigem Anglitz und personalintensiven Schischi - das kostet und treibt die Staatsausgaben nach oben. Da die Exportleistung fällt, treibt es aber die Verschuldung weiter nach oben.
    Frankreich versäumte massiv in die Infrastruktur zu investieren. Strom war billig. Betonung auf war. Frankreich investierte z.B. viel weniger in die Gehäusedämmung. Franzosen müssen zunehmend mehr für Nahrungsmittel, Strom, Benzin, Mieten ausgeben ... bei nicht steigenden Einkommen der Mehrheit der Bürger. Frankreich sieht seine Erfolge immer schon rosiger, als in der realen Wahrnehmung.
    Frankreich hat und das ist leider bildungtechnisch tödlich immer noch keine weniger standesgemäßen Bildungslandschaft etabliert.Das kostet dem Land die Zukunft, da "Worte" sicher leider nicht verkauft werden können, sondern nur innovative Produkte. Dem Produkt ist es aber auf gut Deutsch gesagt "Schei.egal", von wem die Innovation stammte ... dem ständedenkenden Franzosen aber eher nicht. Das kostet gewaltige Summen, die aber nicht messbar sind, denn verpaßte Zukunftschancen sind nicht messbar.

    Frankreich hat mehr kinderreiche Familien, aber schlechte Schulen und fehlende Entwicklungsperspektiven. Das kostet viel Geld, da Einnahmen so fehlen ... Ausgaben aber sozial eingefordert werden.
    Frankreich hat ein massives Eliteproblem, wenn viele sich nichts besseres vorstellen können, als einen Staatsjob zu ergattern. Die Elite scheut so eigene Risiken. Ohne Risiken wird sich aber kein erfolgreiches Unternehmertum einstellen.

    Frankreichs Probleme werden so in Summer größer und nicht kleiner. Ich denke, der Präsident (welcher auch immer - die Entscheidung bleibt spannend), steht vor vielen Reformen.

  • Es sieht so aus, dass die Weigerung der politischen Mitte in Europa, die Bevölkerung demokratisch an so fundamentalen Entscheidungen wie Euro, Fiskalunion, Banken Rettungsschirmen in Höhe von Staatshaushalten, EU vertragswidrigen Bailouts für andere Länder usw. teilhaben zu lassen, den politischen Willen grosser Teile der Bevölkerung weg von der Mitte führt.
    Wir sehen das mit Wilders in Holland, LePen in Frankreich und irgendwie auch an dem unvorstellbaren Aufstieg einer Nicht-Partei in Deutschland, den Piraten.

    Die von Merkel und Schäuble gemachte Politik der Vernachlässigung der demokratischen Willensbildung für die Politik der Mitte, führt zu einer immer grösser werdenden Entfremdung zwischen den Mächtigen im Staat und dem Volk.

  • Laut Ihrer Überschrift müssten ca. 19% aller Franzosen Nazis sein, denn sie haben rechtsextrem gewählt!

  • Es endet wie mit jeder linken Regierung (Deutschland: Brandt, Schmidt, Schröder): Großes Blabla und ganz große sozialistische Versprechen. Danach Anstieg der Arbeitslosigkeit (alles schon vergessen?), und sogenannte Reformen werden wieder zurückgenommen (Agenda 2010!), da die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Wirtschaft am Baum gelandet ist, und man bestenfalls Inflation geerntet hat. Im letzten Akt stürzt die eigene sozialistische Partei ihren Vormann (Vorfrau) und verliert folgerichtig die nächste Wahl. Nur durch Intelligenz, Fleiß und Sparsamkeit gelangt man zu Wohlstand. Aber bestimmt nicht mit exorbitant hohen Steuersätzen, 35 Std. Faulenzer-Woche, Rente mit 60 und Ausgabenorgien. Wer glaubt denn an solchen Unsinn? Wahrscheinlich dieselben, die an das Perpetuum Mobile glauben. Hollande wird scheitern wie alle Sozis. Alles wohlbekannt.

  • Sehr plumpe Vermutungen und Ansichten die auf dieser Seite dargestellt werden. Realitätsfern und kleinkariert. Sarkozy hat trotz rechtem Programm die Arbeitslosigkeit nicht bekämpfen können. Frankreich, als drittstärkste europäische Volkswirtschaft ist, so man vernünftig handelt, durchaus in der Lage, linke Politik zu betreiben. Gleiches gilt für Deutschland. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert.

  • Ich fürchte eher, dass der sozialistische Weg heimlich bei Mutti gut ankommt. Naiv zu glauben, dass Deutschland in dieser Richtung "Widerstand leistet". Der Europa Kurs ins weltpolitische Abseits ist links. "Wenn wir schreiten Seit an Seit" ( sehen viele Putin an der "Seit")

  • Armes Frankreich, wenn dieser Potpourri an wirtschaftlichem Unsinn durch Hollande zum Zuge kommt. Deutschland muß energischen Widerstand gegen ein verrücktes, sozialistisches Frankreich leisten. Eines ist jetzt schon gewiß: Frankreich wird wirtschaftlich wohl weiter zurückfallen. Hollande zum Gruß: Deutschland macht den französischen Unsinn nicht mit. Hollande soll sich neue Partner bzw. Zahler suchen! Mit seinem Programm ist er in Berlin unerwünscht.

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