Präsidentenwahl in Guatemala
Ex-Militärdiktator Rios Montt gescheitert

Mit dem Versuch auf demokratische Weise an die Macht in Guatemala zurückzukehren, ist der ehemalige Militärdiktator Efrain Rios Montt gescheitert. Nach Auszählung von etwa drei Vierteln der Stimmen der Präsidentenwahl vom Sonntag lag er mit 16,95 Prozent abgeschlagen auf Platz drei.

HB GUATEMALA-STADT. Den ersten Platz hielt der konservative frühere Bürgermeister von Guatemala-Stadt, Oscar Berger, mit 38,4 Prozent, gefolgt von dem Sozialdemokraten Alvaro Colom mit 27,63 Prozent. Colom und Berger müssen am 28. Dezember in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Der neue Präsident tritt sein Amt am 14. Januar an. Die Wahlbeteiligung lag bei ungefähr 50 Prozent.

Der Chef der EU-Wahlbeobachter-Mission, Janis Sakellariou, sprach in einer ersten Stellungnahme von sauberen Wahlen. Er klagte zugleich über erhebliche Organisationsprobleme. Das Wichtigste sei aber, dass es keinen Gewaltausbruch gegeben habe. Die Wahlbehörden bestätigten, dass zwei Frauen in einem Dorf in der Provinz Quiché in einem Gedränge vor einem Wahllokal zu Tode gedrückt wurden. In der Nacht zum Sonntag war ein zu Coloms Partei gehörender Parlamentskandidat niedergeschossen worden.

Die Kandidatur des Ex-Diktators Rios Montt, dem schwerste Menschenrechtsverletzungen während seiner Herrschaft Anfang der achtziger Jahre vorgeworfen werden, war umstritten. Die Verfassung Guatemalas verbietet ehemaligen Diktatoren die Kandidatur, doch hatte das Verfassungsgericht in diesem Jahr entschieden, dass dieses Verbot nicht rückwirkend gelte. Gegen Rios Montt liegen im In- und Ausland Anzeigen wegen Völkermordes vor. Im eigenen Land wurden die früheren Militärdiktatoren bisher von der Justiz jedoch nicht belangt.

Der Zuckerindustrielle Berger war von 1991 bis 1999 Bürgermeister von Guatemala-Stadt. 1999 hatte er die Präsidentenwahl gegen den Kandidaten von Rios Montts Guatemaltekischer Republikaner Front (FRG), Alfonso Portillo, verloren, der nicht wiedergewählt werden durfte. Berger gilt als Vertreter der Oberschicht, die in Guatemala aus rund 30 alteingesessenen Familien besteht. Sein Gegenkandidat Colom war 1999 für die ehemalige linke Guerilla ins Rennen gegangen. Er unterhält enge Beziehungen zu den 22 Maya-Ethnien des Landes.

Neben der Präsidentenwahl fand am Sonntag in Guatemala auch die Wahl zu einem neuen Kongress statt. Außerdem wurde über neue Gemeindevertretungen sowie die Abgeordneten Guatemalas im Zentralamerikanischen Parlament abgestimmt. Bei den Bürgermeisterwahlen in Guatemala-Stadt lag der frühere Präsident Alvaro Arzú mit großem Vorsprung vorne.

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