Präsidentenwahl in Indonesien
Beide Kandidaten erklären sich zum Sieger

Die drittgrößte Demokratie der Welt hat gewählt – ohne klares Ergebnis. Beide Kandidaten für das indonesische Präsidentenamt haben sich zum Sieger erklärt. Am Ende muss wahrscheinlich das Verfassungsgericht entscheiden.
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JakartaBei der Präsidentenwahl in Indonesien zeichnet sich der knappste Ausgang in der Geschichte des Landes ab. Beide Kandidaten erklärten sich am Mittwoch kurz nach Schließung der Wahllokale zum Sieger der Abstimmung. Eine unabhängige Blitzauszählung von etwa 90 Prozent der Stimmen deutete zwar auf einen Sieg des Gouverneurs von Jakarta, Joko "Jokowi" Widodo hin. Sein Rivale, Ex-General Prabowo Subianto, verwies jedoch auf andere Meinungsforschungsinstitute, die ihn in Führung sahen. Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens galt es als nahezu sicher, dass am Ende das Verfassungsgericht entscheiden muss, wer die Wahl in der drittgrößten Demokratie der Welt gewonnen hat. Bis dahin steht Indonesien eine wochenlange Hängepartie ins Haus.

Jokowi genießt den Ruf, der beliebteste Politiker Indonesiens zu sein. Der in Armut aufgewachsene 53-Jährige steht für eine Generation, die sich über die Lokalpolitik hochgearbeitet hat, als unbestechlich gilt und nicht in Seilschaften verstrickt ist. Anders Prabowo: Den 62-Jährigen sehen viele als Vertreter der alten Garde, die sich während der jahrzehntelangen autokratischen Herrschaft seines ehemaligen Schwiegervaters Suharto breitmachte und bislang die nationale politischen Bühne dominierte. Eines der größten Themen im Wahlkampf war die Bekämpfung der in der größten Volkswirtschaft Südostasiens grassierenden Korruption.

In Umfragen schnitt Jokowi lange Zeit eindeutig besser ab als sein Kontrahent. Doch im Wahlkampf gab er deutlich weniger aus als Prabowo und nach einer Schmutzkampagne brach sein Vorsprung bis zum Wahltag nahezu vollständig ein. Nach einer ersten groben Auszählung der Stimmen bot sich zunächst kein eindeutiges Bild. Eine Auswertung der Angaben von sieben Demoskopieinstituten ergab, dass fünf von ihnen Jokowi mit jeweils etwa fünf Prozentpunkten in Führung sahen, zwei räumten Prabowo einen knappen Vorsprung von ein bis zwei Punkten ein.

Für einen Sieg reicht die einfache Mehrheit. Die Wahlkommission will das offizielle Ergebnis in etwa zwei Wochen vorlegen. Danach dürfen die Bewerber Einspruch beim Verfassungsgericht einlegen. Damit muss angesichts der knappen Ausgangslage gerechnet werden. Bis die Richter ihre Entscheidung fällen, dürften allerdings noch einmal einige Wochen vergehen, sagte der Politik-Experte Douglas Ramage in Jakarta. Der Zeitplan bis zum Machtwechsel im Präsidentenpalast könnte dennoch eingehalten werden. Bislang ist geplant, dass das neue Staatsoberhaupt des Landes mit den meisten muslimischen Einwohnern im Oktober sein Amt antritt. Der gegenwärtige Präsident Susilo Bambang Yudhoyono durfte nach zwei Amtsperioden nicht erneut kandidieren.

Der schmächtige Jokowi stammt aus ärmlichen Verhältnissen und machte als erfolgreicher Provinzpolitiker Furore, ehe die Hauptstadt Jakarta ihn 2012 zum Bürgermeister wählte. Er gilt als effizienter Korruptionsbekämpfer und Mann des Volkes, der gerne unangemeldet durch Stadtteile streicht und mit den Leuten spricht.

Prabowo hat in den USA studiert, ist reich und weltgewandt. Er kämpft aber seit Jahren gegen Vorwürfe schwerer Menschenrechtsverletzungen. Kritiker lasten ihm Massaker im besetzten Osttimor in den 1970er Jahren und Verantwortung für die Entführung von Demokratie-Aktivisten vor dem Ende der Suharto-Diktatur 1998 an. Von 13 fehlt bis heute jede Spur. Prabowo war mit Suhartos Tochter verheiratet.

„Was passiert, wenn das Ergebnis so eng ist, das keiner zufrieden ist (und die Niederlage einräumt)?“ schrieb das RSIS-Institut in Singapur am Mittwoch in einer Analyse. „Wähler könnten mit Vorwürfen von Wahlbetrug auf die Straße gehen“, warnte das Institut. Gut 370.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um fast eine halbe Million Wahllokale zu schützen. Die Wahl verlief auf den unzähligen, über mehr als 5000 Kilometer in Ost-West-Ausrichtung verteilten Inseln friedlich.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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