Präsidentenwahl in Tunesien
Essebsi entscheidet Stichwahl für sich

Wird ein 88-Jähriger Tunesiens neuer Präsident? Die Partei von Favorit Béji Caïd Essebsi feiert bereits den Wahlsieg. Das Lager des Rivalen Marzouki spricht von einem knappen Rennen.
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TunisDer 88-jährige Politikveteran Béji Caïd Essebsi hat einer inoffiziellen Prognose zufolge die Stichwahl um das Präsidentenamt in Tunesien gewonnen. Nachwahlbefragungen des Umfrageinstituts Sigma Conseil zeigten Essebsi am Sonntag mit 55,5 Prozent der Stimmen vor seinem Kontrahenten Moncef Marzouki, der auf 44,5 Prozent kam. Zuvor hatte bereits Essebsis Partei Nida Tunis davon gesprochen, dass der Jurist die Wahlen für sich entschieden habe. „Essesbi hat gewonnen. Der Stimmenvorsprung ist klar“, sagte sein Kampagnenleiter Mohsen Marzouk am Sonntagabend unmittelbar nach Schließung der Wahllokale in Tunis. Offizielle Wahlresultate werden am Montag oder Dienstag erwartet.

Essebsi ist ehemaliger Innen- und Außenminister, dessen Partei Nida Tunis als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl im Oktober hervorgegangen war. 2011 diente er nach der Flucht des vorherigen Machthabers Ben Ali ins Ausland als Ministerpräsident.

Die Stichwahl vollendet den Übergang Tunesiens zur Demokratie, nachdem in dem nordafrikanischen Land 2011 der langjährige Herrscher Zine El Abidine Ben Ali im Zuge des Arabischen Frühlings gestürzt worden war. Essebsis Partei hatte zuvor bereits die Parlamentswahl gewonnen. Der alt gediegene Politiker verspricht, das Ansehen des Staats nach den chaotischen Jahren des Übergangs wieder herzustellen.

Die Wahlkommission will erste Teilergebnisse erst am Montagabend verkünden. Mehr als fünf Millionen Wahlberechtigte hatten sich für die Abstimmung registriert.

Überschattet wurde der Wahltag von einem bewaffneten Übergriff auf ein Wahllokal in der Provinz Kairouan südlich von Tunis. Dabei wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht zum Sonntag ein Angreifer getötet und ein Soldat verletzt. Extremisten hatten in einem am Mittwoch veröffentlichten Video zum Wahlboykott aufgerufen und Attacken auf Sicherheitskräfte angekündigt. Dementsprechend niedrig fiel mit 47 Prozent die Wahlbeteiligung aus.

Etwa 100.000 Soldaten und Polizisten waren am Wahltag im Einsatz. 124 Wahllokale in Gebieten nahe der algerischen Grenze, die als unsicher gelten, öffneten später und schlossen früher.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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