Präsidentenwahl
Unsichere Lage in Ägypten

Vom Optimismus der Tahir-Platz-Revolutionäre ist nicht viel übrig geblieben. In Ägypten gibt es nach der Auflösung des Parlaments Sorgen, dass das Militär die Zügel in der Hand behalten könnte. Die Lage ist angespannt.
  • 0

KairoDie Auflösung des Parlaments hat am Wochenende die zweite Runde der Präsidentenwahl in Ägypten überschattet. Der Schritt des Militärs folgte auf eine Entscheidung des Verfassungsgerichts, das am Donnerstag die Parlamentswahl für ungültig erklärt hatte.

Kein Abgeordneter dürfe mehr das Gebäude betreten, hieß es am Samstagabend in Parlamentskreisen. Die Muslimbrüder, die als Sieger aus den Wahlen hervorgegangen waren, werteten den Richterspruch als Staatsstreich. Dessen ungeachtet waren auch am Sonntag rund 50 Millionen Bürger aufgerufen, in einer Stichwahl das neue Staatsoberhaupt des nordafrikanischen Landes zu bestimmen.

Zur Wahl stehen der religiös-konservative Kandidat Mohammed Morsi von der islamistischen Muslimbruderschaft und Ahmed Schafik, ein Militär, der dem später gestürzten Autokraten Husni Mubarak als letzter Ministerpräsident diente. Die beiden Bewerber waren aus der ersten Runde der Präsidentenwahl im Mai als Sieger hervorgegangen, bei der keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hatte. Die Wahllokale haben bis Sonntagabend (20.00 Uhr MESZ) geöffnet, mit ersten inoffiziellen Ergebnissen wird in der Nacht zum Montag gerechnet.

Für die 82 Millionen Ägypter liegt die Zukunft ihres Landes damit ebenso im Nebel wie für die ausländischen Partner und die Investoren. Nur eins ist klar: Wer auch immer die Präsidentenwahl gewinnt, das Militär, das das Land seit Mubrakas Sturz führt und die Macht eigentlich in zivile Hände abgeben soll, behält seinen entscheidenden Einfluss. Schafik als Präsident würde die Tradition fortsetzen, dass ein Mann des Militärs an die Spitze des Staates rückt. Wenn Morsi gewinnt, kann das Militär trotzdem immer noch beeinflussen, welches Gewicht er in der noch zu schreibenden Verfassung zugebilligt bekommt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Präsidentenwahl: Unsichere Lage in Ägypten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%