Präsidentschaftskandidat al-Sisi
„Muslimbrüder werden in Ägypten keine Rolle spielen“

Al-Sisi, Favorit der Präsidentschaftswahl in Ägypten, profiliert sich in seinem ersten Wahlkampfinterview als Retter der Nation. Zum Thema Muslimbruderschaft zeigt er keine Kompromissbereitschaft.
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KairoDer ehemalige Armeechef und ägyptische Präsidentschaftskandidat Abdel Fattah al-Sisi sieht keine Zukunft für die radikalislamische Muslimbruderschaft von Ex-Präsident Mohammed Mursi. Das Volk habe die Organisation abgelehnt, sie werde niemals zurückkehren, sagte der ehemalige Armeechef in seinem ersten Fernsehinterview im Wahlkampf am Montag.

Sein Antreten bei der Präsidentschaftswahl begründete er mit der unsicheren Lage in seinem Heimatland. Ägypten stehe „Bedrohungen von innen und außen“ gegenüber, sagte Al-Sisi. Das sei auch der Grund, warum er seine Meinung geändert habe und doch für das höchste Staatsamt kandidiere.

Nachdem er im vergangenen Sommer Mursi, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes, abgesetzt hatte, hatte Al-Sisi noch betont, er habe keine Ambitionen auf ein politisches Amt. Das bekräftigte er in dem Interview, das am Abend von zwei privaten Fernsehsendern ausgestrahlt wurde. „Ich könnte mich selbst nicht respektieren, wenn ich so denken würde - dass ich einen Plan fassen würde, um die Macht in Ägypten zu übernehmen“, sagte er.

Ein Wahlkampf wird aus Sicherheitsgründen schwierig

Das Chaos nach der gewaltsamen Auflösung von zwei Protestlagern der Mursi-Anhänger Mitte August und die Reaktionen aus dem Ausland hätten aber die Bedrohungen gezeigt, denen Ägypten gegenüberstehe. „Erinnern Sie sich wie Ägypten aussah, wie die Sicherheitslage war und die Furcht, wie weit sie reichte?“, sagte er. „Sie sahen, wie die Außenwelt mit uns umging.“ Er fügte hinzu: „Es war unmöglich für mich, das Volk im Stich zu lassen.“

Angesichts der angespannten Sicherheitslage dürfte sich die Zahl der öffentlichen Auftritte des Ex-Armeechefs während des Wahlkampfs in Grenzen halten. In dem Interview sagte er, dass bereits zwei Attentatskomplotte gegen ihn aufgedeckt worden seien.

Trotz des fehlenden Straßenwahlkampfs wird der 59-jährige Al-Sisi bei der Präsidentschaftswahl am 26. und 27. Mai als klarer Favorit gesehen. Sein einziger Herausforderer ist der linksgerichtete Hamdin Sabahi, der bereits bei der Wahl 2012 gegen Mursi angetreten und Dritter geworden war. Die ägyptischen Medien hatten Al-Sisi nach der Absetzung des islamistischen Mursi als Retter der Nation gefeiert, um ihn entwickelte sich seitdem ein regelrechter Personenkult.

Al-Sisi verließ die ägyptische Armee im Rang eines Feldmarschalls, um als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Seit der Absetzung Mursis führt eine vom Militär gestützte Übergangsregierung die Amtsgeschäfte. Die Justiz des Landes geht seitdem mit harter Hand gegen die Anhänger Mursis vor. Mehr als 16 000 Mitglieder seiner Muslimbruderschaft und anderer islamistischer Gruppen wurden festgenommen und teilweise wegen Verbrechen wie Anstachelung zur Gewalt angeklagt.

Al-Sisi erklärte in dem TV-Interview weiter, auch die Armee werde keine Rolle bei der Regierung des Landes spielen, falls er zum Präsidenten gewählt werde. Die Armee werde aber ihre Unterstützung für die Polizei im Kampf gegen den Terrorismus verstärken, versprach Al-Sisi. Seit Juli seien zwei Attentatspläne zu seiner Ermordung aufgedeckt worden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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