Präsidentschaftskandidat gewinnt Anhänger durch scharfe Kritik am Irak-Krieg
Basisdemokrat Dean holt Gewerkschaften ins Boot

Morgen ist wieder Dean-Tag. Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Howard Dean wird vor den Fernseh-Kameras sein Lausbuben-Lachen anknipsen. Und im Hauptquartier des früheren Gouverneurs von Vermont werden die Champagnerkorken knallen: Die zwei größten Einzelgewerkschaften in den USA - die Service Employees International Union (SEIU) und die American Federation of State, County and Municipal Employees (AFSCME) - haben angekündigt, Dean ihren Segen zu geben.

WASHINGTON. „Das ist ein Riesen-Schub für unsere Kampagne“, frohlockt der Kandidat, der durch seine frühe Opposition zum Irak-Krieg und seine harsche Kritik an Präsident George W. Bush für Wirbel sorgte.

Die beiden Gewerkschaften aus dem Dienstleistungssektor verfügen zusammen über rund drei Millionen Mitglieder. Sie sind bringen durch ihre straffe Organisation jede Menge Fußsoldaten für Deans Wahlkampf. Das Votum ist ein schwerer Schlag für Deans Konkurrenten Richard Gephardt, der bislang auf dem Ticket der Gewerkschaften fuhr. Gephardt hat zwar in Iowa, wo am 19. Januar die ersten Vorwahlen der Demokraten stattfinden, noch leicht die Nase vorn. Doch in New Hampshire, wo eine Woche später gewählt wird, liegt Dean mit 14 Punkten vor John Kerry, dem Senator von Massachusetts. Bei Kerry macht sich langsam Nervosität breit: Gestern feuerte er seinen Wahlkampf-Manager.

Das Phänomen Dean hat mit seiner frontalen Opposition gegen Bush zu tun. Viele Mitglieder der demokratischen Basis waren frustriert, als das Partei-Establishment im Oktober 2002 den Kriegs-Kurs des Weißen Hauses billigte. Dean ging hingegen von Anfang an auf Konfrontation: „Öl-Firmen schreiben im Büro des Vizepräsidenten die Energiegesetze“, lautete seine betonharte Botschaft. „Die pharmazeutische Industrie hat die Federführung bei der Gesundheitsreform, und im Irak und in Afghanistan werden treue Spender mit Aufträgen belohnt.“

Dean untermauerte seine scharfe Anti-Linie mit einer neuen Form von Basis-Demokratie: Rund 600 000 per E-Mail vernetzte Anhänger unterstützen ihn mit dezentralen Aktionen. Er steigt zudem als erster demokratischer Präsidentschaftskandidat aus dem öffentlichen Finanzsystem aus. Das hätte ihm zwar bis zu 19 Mill. Dollar an Steuergeldern beschert, aber seine Gesamtausgaben bis nächsten Sommer auf 45 Mill. Dollar gedeckelt.

Dean überließ die Entscheidung seinen Anhängern, ein geschickter politischer Marketing-Gag. Nun trommelt er zum Spenden-Wettlauf gegen Bush und „seine Lieblinge in der Großindustrie“. Deans Credo: „Wir glauben, dass zwei Millionen Amerikaner uns im Schnitt 100 Dollar leihen – aus dem einfachen Vergnügen heraus, den Präsidenten zurück nach Texas zu schicken.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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