Präsidentschaftskandidatur bekanntgegeben
Sarkozy will Chiracs Nachfolger werden

Fünf Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl hat Innenminister Nicolas Sarkozy am Mittwoch seine Kandidatur bekannt geben. „Die Antwort ist Ja“, sagte er in einem Interview mit mehreren Regionalzeitungen auf die Frage nach seinen Ambitionen.

HB PARIS. Das Interview erschien am Abend bereits auf der Web-Site der Zeitung „Libération“. Das Rennen um den Einzug in den Élysée-Palast wird zwischen Sarkozy und der Sozialistin Ségolène Royal entschieden. Die Exministerin wurde am Sonntag von ihrer Partei zur Kandidatin gekürt. Sarkozys Partei, die bürgerliche UMP, wird erst am 14. Januar entscheiden, wen sie offiziell für die Wahl nominiert.

Der Innenminister hatte am vergangenen Donnerstag mögliche innerparteiliche Konkurrenten aufgerufen, ihre Kandidatur einzureichen. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie ließ bereits ihre Ambitionen auf die Nachfolge Jacques Chiracs erkennen, hätte gegen Sarkozy jedoch kaum Erfolgsaussichten. Dass Premierminister Dominique de Villepin seinen Hut in den Ring wirft, gilt als unwahrscheinlich. Die Bewerbungsfrist der UMP läuft noch bis zum 31. Dezember.

Er wolle eine neue Verbindung mit den Franzosen schaffen, die auf zwei Worten basiere: Vertrauen und Respekt, sagte Sarkozy. Er sprach in dem vorab veröffentlichten Interview von der „Entscheidung eines Lebens.“ Er empfinde eine große Verantwortung für die Franzosen und forderte sie auf, ihm ihr Vertrauen zu geben. „Ich will aus Frankreich ein Land machen, in dem alles möglich ist.“

Der Innenminister genießt dank seiner Law-and-Order-Attitüde, seiner strikten Ausländerpolitik und seiner energischen und offenen Art große Popularität vor allem im konservativen Lager. Für viele Jugendliche ist er gleichwohl eine Hassfigur, nachdem er die Randalierer bei den Herbstunruhen vor einem Jahr als „Abschaum“ bezeichnete. Das linke politische Spektrum wirft ihm Populismus vor. In den vergangenen Wochen musste Sarkozy auch harsche Kritik aus der eigenen Partei einstecken. Villepin warf ihm vor, im rechten Lager zu fischen. Andere UMP-Spitzenpolitiker kritisierten, er würge jede Debatte in der Partei ab.

Der 51-Jährige bekleidet seit vier Jahren mehrere Ministerposten und ist seit zwei Jahren auch Parteichef. Er hat die Präsidentschaft schon seit langem im Blick. In den vergangenen Tagen war heftig spekuliert worden, wann und wie er seine Kandidatur öffentlich erklären würde. Das Interview mit den Regionalzeitungen sollte erst am Donnerstag erscheinen. Der Text gelangte indes in die Redaktion von „Libération“, einer linksliberalen Zeitung und eine der kritischsten Stimmen gegenüber Sarkozy.

Ségolène Royal, die in Umfragen mit Sarkozy gleichauf liegt, nahm den Innenminister bereits nach ihrer Kandidatenkür am Sonntag ins Visier. Sie erhob den Kampf gegen Gewalt und Unsicherheit selbst zu einer ihrer Prioritäten und warf Sarkozy vor, durch seine aggressive Politik die Gefühle der Unsicherheit zu schüren. Der erste Durchgang der Präsidentenwahl ist am 22. April 2007. Der Termin für die Stichwahl wurde auf den 6. Mai festgesetzt. Sarkozy hat angekündigt, seinen Posten als Innenminister während des Wahlkampfes niederzulegen. Ein Datum dafür hat er noch nicht benannt.

Die Nachricht von seiner Kandidatur verdrängte den 74. Geburtstag von Chirac aus den Topthemen. Der Staatspräsident, der einst zu den stärksten Förderern Sarkozys gehörte, sich aber später von diesem verraten fühlte, hat sich selbst noch nicht zu einer Kandidatur erklärt.

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