Präsidentschaftsvorwahl
Frankreichs Sozialisten - ein Vorbild für die SPD

Die deutschen Sozialdemokraten schrecken davor zurück, alle Wahlberechtigten über ihren Kanzlerkandidaten für 2013 abstimmen zu lassen. Frankreichs Linke hat den Schritt gewagt – und wird dafür belohnt.
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ParisDie französischen Sozialisten haben eine Premiere hinter sich: Am Sonntag stimmten erstmals in der Geschichte des Landes nicht nur Parteimitglieder über den Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2012 ab, sondern alle Wahlberechtigten konnten sich daran beteiligen. 

Die SPD hatte ebenfalls in Erwägung gezogen, sämtliche Wahlberechtigten über ihren Kanzlerkandidaten für das Jahr 2013 abstimmen zu lassen, das dann aber wieder verworfen. Deshalb wird sie genau nach Frankreich schauen. Dort kommt es am kommenden Sonntag zur Stichwahl. 

Für die französischen Sozialisten hat sich die für alle offene Vorwahl als großer Erfolg erwiesen. Zum einen weil sich daran knapp 2,5 Millionen Bürger beteiligten. Zum anderen weil sie der Partei medial eine gewaltige Aufmerksamkeit beschert hat. Die sechs Kandidaten haben sich drei Fernsehduelle geliefert, von denen zwei je fünf Millionen Zuschauern vor die TV-Geräte lockten. Auch in den Zeitungen waren die Bewerber extrem präsent. 

Abstimmen konnten alle Wahlberechtigten. Sie mussten lediglich schriftlich bestätigen, dass sie Anhänger der politischen Linken und von deren Werten sind, außerdem einen Euro bezahlen – oder freiwillig auch mehr. Nur Ausländer und Minderjährige ab 16 mussten Parteimitglied sein, um sich zu beteiligen. 

Keiner konnte vorher wirklich abschätzen, welche und viele Bürger abstimmen werden. Das stellt die Sozialisten vor eine große organisatorische und logistische Herausforderung. Es wurden beispielsweise Befürchtungen laut, in manchen der knapp 10.000 Wahlbüros könnten die Abstimmungsunterlagen ausgehen. 

Böse Zungen behaupten, die Sozialisten hätten die Vorwahl nur deshalb für alle geöffnet, um die Entscheidung über ihren Kandidaten nicht selbst treffen zu müssen. Denn noch immer wirkt die umstrittene und äußerst knappe Wahl von Martine Aubry an die Parteispitze im Jahr 2008 nach. Die Entscheidung, wie der Präsidentschaftskandidat zu bestimmen sei, fiel aber mit einer deutlichen Mehrheit von mehr als 70 Prozent. 

Ursprünglich kam die Idee, für alle offene Vorwahlen abzuhalten, Anfang der 1990er-Jahre aus dem konservativen Lager und ist inspiriert vom Vorbild der USA. Jetzt wächst auch in der Partei des amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy die Sympathie dafür. So räumt der ehemalige konservative Premierminister Jean-Pierre Raffarin einen „Erfolg“ der Sozialisten ein, der dem Sieger der Vorwahl eine große Legitimität verleihen werde. Es mehren sich die Stimmen, die fordern, 2017 ebenfalls eine Vorwahl abzuhalten. Sarkozy könnte bei einer Wiederwahl 2012 in fünf Jahren ohnehin nicht noch einmal antreten.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

Kommentare zu " Präsidentschaftsvorwahl: Frankreichs Sozialisten - ein Vorbild für die SPD"

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  • naja , Fakt ist das diejenige die bei Bilderberg Konferenzen teilnehmen in der näheren Zukunft Präsidenten , Kanzler und Außenminister werden , ob das alles nur Zufall ist ? Schauen sie wer zuletzt auf der Konferenz war und dann warten wir ab wer der nächste Bundeskanzler wird ! ( natürlich durch "Demokratische wahlen " ) sie können auch die alten listen durchgehen :-)

  • Irrtum.
    Wir haben derzeit Politiker die von nichts Ahnung haben, davon dann aber sehr viel.
    Unseren Politikern fehlt jedes Fachwissen, jeder Sachverstand und leider auch jeder Anstand.
    Kein Wunder, von einem Juristen kann ich nicht erwarten, dass er Ahnung von Finanzen oder Wirtschaft oder Gesundeheit hat.
    2/3 der derzeitgen Budnestags-Angehörigen sind Juristen, dann kommen bei den jungen Nachrückern etliche Studienabbrecher hinzu. Für die ist die Politik, der Budnestag der einzige Ort wo sie Geld verdienen können, denn au dem freien Arbeitsmarkt würden sie keine Stelle finden. Meine Mutter nannte so etwas immer verkrachte Existenzen.
    Hinzu kommt, dass wir Politiker haben die völlig vergessen haben, dass sie uns, dem Deutschen Volk zu dienen haben und nicht sich selbst

  • Ach Du Schreck, was für ein Staatsgläubigr sind Sie denn?
    Unsere Demokratie war mal eine Demokratie, sie hat sich aber eben leidfer zur Parteiendiktatur gewandelt.
    Die Partein haben das gesamte Land im Griff wie eine Krake.
    Keine Institution, keinen Behörde, wo sie nicht drin sind.
    Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun

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