Präsidentschaftswahl
Afghanistan steuert auf zweiten Wahlgang zu

Zwei Monate nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat die Regierung erstmals eingeräumt, dass Amtsinhaber Hamid Karsai die absolute Mehrheit verfehlt haben könnte. Damit würde eine Stichwahl gegen den Herausforderer Abdullah Abdullah erforderlich.
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HB KABUL. Eine Stichwahl sei sehr wahrscheinlich, sagte der afghanische Botschafter in Washington, Said Tajeb Dschawad. Alle Beteiligten sollten sich bemühen, den zweiten Wahlgang möglichst schnell anzusetzen, am besten innerhalb eines Monats. Ansonsten gebe es die Gefahr, dass der einsetzende Winter die Stimmabgabe behindern könnte.

Der Ausschuss zur Untersuchung von Wahlbetrug in Afghanistan hat seine Arbeit nahezu abgeschlossen. Jetzt stehe nur noch die Prüfung von Einzelbeschwerden aus, sagte eine Sprecherin der von den Vereinten Nationen in Kabul unterstützten Wahlprüfungskommission. Das Gremium untersuchte 3 377 Wahllokale mit zweifelhaften Ergebnissen. Dazu gehörten Bezirke mit einer Wahlbeteiligung von 100 Prozent oder einem Ergebnis von 95 Prozent für einen Kandidaten.

Nach den bislang nicht bestätigten Ergebnissen kam Amtsinhaber Hamid Karsai bei der Wahl am 20. August auf 54,6 Prozent. Für seinen größten Herausforderer Abdullah Abdullah wurden 28,0 Prozent ermittelt.

Bei einem Bombenanschlag im Süden Afghanistans kamen am Donnerstag vier US-Soldaten ums Leben. Der Sprengsatz war auf einer Straße versteckt, wie die US-Streitkräfte am Freitag mitteilten. Seit Beginn des Monats wurden damit in Afghanistan insgesamt 25 US-Soldaten getötet.

Vier Menschen wurden am Freitag bei einem Einsatz internationaler Truppen in der Provinz Ghasni erschossen. Nach Militärangaben handelt es sich um zwei Aufständische und zwei Zivilpersonen. Der Polizeichef der Provinz, Chail Bus Schersai, sagte, bei den Toten handle es sich um vier Familienmitglieder. Nach einer Untersuchung der dänischen Streitkräfte haben Soldaten in Afghanistan ein kleines Mädchen getötet, wie die Streitkräfte am Freitag in Kopenhagen mitteilten. Ihr Vater und ihre Schwester wurden verletzt. Die Truppen waren demnach in der südlichen Provinz Helmand in ein Gefecht mit Aufständischen verwickelt.

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