Präsidentschaftswahl in Frankreich
Freie Bahn für Sarkozy

Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy hat jetzt freie Bahn für seine Kandidatur zur Präsidentenwahl 2007 im Namen der Regierungspartei UMP. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie verzichtet auf eine innerparteiliche Bewerbung um die Kandidatur. Allerdings schließt sie nicht aus, als unabhängige Kandidatin anzutreten.

HB PARIS. „Ich bin keine Kandidatin für die logistische und finanzielle Unterstützung der UMP“, sagte Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie der Zeitung „Sud-Ouest“. Sie habe aber „große Lust“, außerhalb der Partei zur Wahl anzutreten. Bevor sie sich entscheide, ob sie als unabhängige Kandidatin antrete, wolle sie sich mit engen Vertrauten beraten.

Alliot-Marie war eine mögliche Herausforderin von Innenminister Sarkozy, der als Favorit gilt, wenn die UMP am 14. Januar ihren Spitzenkandidaten für die Präsidentenwahl im April nominiert.

Unklar ist noch, ob Amtsinhaber Jacques Chirac erneut antreten wird. Mit einer unabhängigen Kandidatur könnte Alliot-Marie, die aus ihrer Rivalität zu Parteichef Sarkozy nie einen Hehl machte, die Siegchancen der Konservativen schmälern. Nachdem Parteischwergewichte wie die Ex-Premierminister Alain Juppé und Jean-Pierre Raffarin sich hinter Sarkozy gestellt hatten, galt Alliot-Marie als dessen letzte interne Herausforderin.

Sollte Alliot-Marie als unabhängige Kandidatin antreten, könnte sie Sarkozy wertvolle Stimmen abnehmen. Dieser liegt in den Umfragen derzeit etwa gleichauf mit der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal.

Mehrere Sarkozy-Anhänger bemühten sich umgehend, die Ministerin von einer Kandidatur außerhalb der UMP abzubringen. Eine solche Zersplitterung würde dem bürgerlichen Lager bei der Wahl schaden. UMP-Sprecher Luc Chatel rief alle Parteimitglieder auf, den Vorsitzenden zu unterstützen. Der Abgeordnete Dominique Paillé warnte, eine unabhängige Kandidatur wäre ein „dramatisches Abenteuer“ für die Ministerin und die bürgerliche Rechte.

Alliot-Marie war die letzte Vorsitzende der in der UMP aufgegangenen neogaullistischen RPR, die in den 70er Jahren von Chirac gegründet wurde. Sie erklärte in dem Zeitungsinterview, vor allem die neuen Parteimitglieder unterstützten Sarkozy. Deshalb wolle sie nicht mit einer Kampfkandidatur gegen den Parteivorsitzenden Unruhe stiften. Sie wäre dabei zwar praktisch chancenlos gewesen, hätte aber bei einem guten Abschneiden ihren Einfluss in der Partei gestärkt.

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