Präsidentschaftswahl

Singapurs Unternehmen befürchten Kurswechsel

Die Präsidentenwahl in Singapur am Samstag könnte zum Protestsignal enttäuschter Bevölkerungsteile werden. Denn obgleich der Stadtstaat längst eine boomende Metropole ist - viele Einwohner profitieren nicht davon.
  • Stefan Mauer
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Marina Bay in Singapur: Nur wenige profitieren vom Boom des Stadtstaats. Quelle: dapd

Marina Bay in Singapur: Nur wenige profitieren vom Boom des Stadtstaats.

(Foto: dapd)

MumbaiSingapurs Wirtschaft ist alarmiert. Wenige Tage vor der Wahl eines neuen Staatschefs wandte sich die Singapore Business Federation mit einer Mitteilung an ihre Mitglieder: "Die Wahl des nächsten Präsidenten ist ein wichtiger Indikator, ob die Einwohner Singapurs an dem Kurs festhalten wollen, der ihr Land bisher so erfolgreich gemacht hat", heißt es darin.

Die Unruhe ist leicht erklärt. Zum ersten Mal seit 1993 wird am Samstag in dem boomenden Stadtstaat von der Größe Hamburgs ein neuer Präsident gewählt. Grund für die lange Pause ist eine Klausel im Wahlrecht. Und die gut fünf Millionen Einwohner könnten die Abstimmung über das eigentlich nur repräsentative Amt zum Protestsignal gegen die seit mehr als 45 Jahren regierende Partei PAP machen. Denn diese hat das Land zwar zu einem der führenden Finanzzentren der Welt gemacht, doch von dem Boom profitieren nur wenige.

Schon 2013 soll Singapur die Schweiz als Finanzplatz überholen

Gigantische Wachstumsraten von mehr als 14 Prozent pro Jahr, eine sehr liberale Wirtschaftsgesetzgebung und sehr niedrige Zölle und Steuern haben dafür gesorgt, dass inzwischen mehr als 700 Finanzinstitute in Singapur angesiedelt sind. Nach Prognosen von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) könnte der Stadtstaat schon 2013 die Schweiz als weltweit wichtigstes Zentrum für Vermögensverwaltung abgelöst haben. Die Börse des Landes bietet den schnellsten Computerhandel der Welt an, und in Ratgebern beschreiben Autoren ganz offen, wie Schweizer Banken ihren Kunden dabei helfen können, Geld nach Singapur zu verschieben, bevor der Fiskus zuschlägt.

Während die Politiker Unternehmer und Investoren umwerben, regieren sie die eigene Bevölkerung mit harter Hand und strengen Gesetzen - bis hin zur Todesstrafe. Hinzu kommt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer stärker wächst. Dazu tragen steigende Kosten bei stagnierenden Löhnen bei. Für Unmut sorgt auch die übermächtige Präsenz von mehr als einer Million ausländischer Arbeitskräfte.

Unzufriedenheit bereits bei Parlamentswahl
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14 Kommentare zu "Präsidentschaftswahl: Singapurs Unternehmen befürchten politischen Kurswechsel"

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  • Kann mir jemand sagen, wie es um das dortige Gesundheitssystem bestellt ist??? Habe zu diesem Thema schon sehr unterschiedliches gehört.

    Danke vorab!

  • Kann mir jemand sagen, wie es um das dortige Gesundheitssystem bestellt ist??? Habe zu diesem Thema schon sehr unterschiedliches gehört.

  • Hmmm, neeeeeee

    Es gibt eher einen Zusammenhang zwischen Armut und Kindermachen.

    Je ärmer das Land, um so mehr Kinder werden produziert. Kinder sind eher ein Kontra-Indikator

  • Ich weiß, ich kenne etwas dieses schöne Land.
    Soll jedenfalls vorkommen, wenn man dort studiert hat. Viele Menschen melden (leider auch hier) sich zu Wort ohne zu wissen, was sie sagen.

    Der sog. Reichtum von Dt. liegt daran, dass es dennoch immer viele gibt, die weiterarbeiten, obwohl der Wohlfahrtsstaat ihnen die Luft abdrückt. Dt. ist bekannt dafür, dass jeder Schmarotzer udn jeder dummschwätzer mit durchgefütteret wird. Leider betrachten das imemr mehr als Einladung und springen gerade in ein Boot, was untergehen wird, wenn wir nicht endlich die rausschmeißen, die nur fressen udn nicht rudern.





  • Singapur ist klasse. Ich hatte dort auch schon ein Projekt. Dort kann ich die selben Tagessätze realisieren wie in DE. Wäre ich in SG wohnhaft, könnte ich es dort tatsächlich nur durch Arbeit zum Millionär schaffen. Im Umverteilungssozialismus Deutschlands ist dies selbstverständlich unmöglich. Aber einen gravierenden Nachteil hat SG gerade für Deutsche dennoch: Autofahren ist so unverschämt teuer, dass man wohl nur vermögend wird, wenn man aufs Auto verzichtet, was zugegebener Maßen in SG recht einfach ist ;-)

  • Liegt an den Kosten für die Schule.

  • Habe selber mal in Singapur gelebt und weiß sehr wohl wie das Leben dort ist. Am besten lässt es sich beschreiben als ein goldener Käfig, falls einem auch die Freiheit und Mitbestimmung wichtig ist. Kenne einige junge Leute von Singapur, die nach Kanada, Australien oder sonstwo hin ausgewandert sind.
    Der hohe Lebensstandard genießt auch nicht die Masse der Bevölkerung, gerade die Gastarbeiter aus Indien leben in schlechten Verhältnissen.

    Wenn der Lebensstandard so hoch und das Leben so toll wäre, würden die Leute auch mehr Kinder bekommen. Gerade da die Chinesen die größte Bevölkerunggruppe ausmacht, welche eher familienorientiert sind. Das ist nicht der Fall, mit 1 pro Frau ist die Geburtenrate inzwischen so niedrig wie in Hongkong.

  • Dem Durchschnitts-Singaporer geht es besser als dem Durchschnitts-Deutschen. kann nur jedem, der nicht faul und gut ausgebildet ist: herkommen nach Singapore :-)

  • @blueworld: Sie haben ja gar keine Ahnung vom hohen Lebensstandard, der hier in Singapore herrscht. Man sollte nicht über etwas urteilen, das man nicht kennt.

  • Ich lebe in Singapore, und stimme zu, dass auf diesem engen Raume der Unterschied zwischen Reich und Arm leichter sichtbar ist als in D-land. Aber im Allgemeinen lässt es sich hier wesentlich besser leben als in Deutschland.

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