Präsidentschaftswahl
Venezolaner stehen hinter Chavez

Der Wortführer der radikalen Linken in Lateinamerika, Hugo Chavez, sitzt fest im Sattel. Bei der Präsidentenwahl in Venezuela hat der Amtsinhaber gesiegt. Seine neue Amtszeit begann er gleich mit einem Angriff auf seinen Lieblingsfeind, US-Präsident Bush.

HB CARACAS. Chavez kam nach Auszählung von mehr als drei Vierteln der Stimmen auf 61 Prozent, wie die Nationale Wahlbehörde am Sonntagabend mitteilte. Oppositionsführer Manuel Rosales lag demnach nur bei 38 Prozent. Rosales gestand seinen Misserfolg kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse ein.

„Es ist eine weitere Niederlage für den Teufel, der die Welt beherrschen will“, rief Chavez Hunderten von jubelnden Anhängern vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas zu. Erneut nannte er US-Präsident George W. Bush „Satan“. Seinen Sieg widmete er dem erkrankten kubanischen Staatschef Fidel Castro.

Befürchtungen, die Opposition könnte nach einer Niederlage das Ergebnis nicht anerkennen und zu einem Putsch aufrufen, bestätigten sich zunächst nicht. „Wir geben zu, dass sie uns heute besiegt haben. Aber wir werden diesen Kampf fortsetzen“, sagte Rosales.

Sollten die Ergebnisse vom Sonntag bestätigt werden, hätte Chavez noch besser als bei seinen Wahlsiegen 1998 und 2000 abgeschnitten. Der fulminante Sieg könnte Chavez' Kampf für einen Pakt lateinamerikanischer Staaten gegen den Einfluss der USA in der Region neuen Auftrieb verleihen. Der 52-Jährige hatte die Wahl zur Abstimmung über seinen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ erklärt.

Die Linke gewinnt in Lateinamerika

Die Abstimmung schließt ein Wahljahr ab, in dem die Machtverhältnisse in Lateinamerika endgültig zugunsten der Linken gekippt sind. Die meisten der 19 spanisch- oder portugiesisch-sprachigen Länder der Region werden nun von dieser Strömung dominiert. An der Spitze der meisten dieser Länder – darunter die beiden Schwergewichte der Region Argentinien und Brasilien – stehen jedoch gemäßigte linke Politiker. Nur wenige Staaten wie eben Venezuela, Bolivien und eventuell Ecuador fahren einen radikalen, von Chavez geprägten Kurs. Sie arbeiten aber weiter mit ausländischen Unternehmen zusammen, lassen die Besitzverhältnisse im Wesentlichen unangetastet und gewährleisten die Meinungsfreiheit.

Chavez ist besonders bei der armen Bevölkerung beliebt, weil er einen Großteil der hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft für Sozialausgaben verwendet. 56 Prozent der 27 Mill. Venezolaner leben nach Angaben der Vereinten Nationen unterhalb der Armutsgrenze – obwohl das Land weltweit der achtgrößte Erdöl-Exporteur ist.

Kritiker werfen Chavez dagegen vor, den kommunistischen Stil seines kubanischen Verbündeten Fidel Castro zu imitieren und das Land quasi diktatorisch zu führen. Die Regierung in Washington sieht Chavez deshalb als Gefahr für die Demokratie in Lateinamerika. Auch Rosales wirft dem ehemaligen Fallschirmjäger vor, seinen Einfluss auf die wichtigsten Institutionen seit seiner ersten Wahl 1998 ständig ausgebaut zu haben. So verweist er zum Beispiel auf die Massenentlassungen bei der staatlichen Ölfirma Pdvsa nach einem gegen Chavez gerichteten Generalstreik. Außerdem führt er den Plan des Präsidenten an, die Begrenzung seiner Amtszeit in der Verfassung aufzuheben. Im Parlament sitzen nur noch Anhänger des Präsidenten – allerdings vor allem, weil die Opposition die Wahl boykottiert hat. Weitere Kritikpunkte des 53-jährigen Rosales sind die hohe Kriminalitätsrate in der Hauptstadt Caracas und die Öllieferungen zu vergünstigten Preisen an Kuba.

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