Präsidentschaftswahlen 2013
Wahllokale im Iran länger geöffnet

Im Iran strömen zahlreiche Bürger in die Wahllokale, um den Nachfolger von Präsident Ahmadinedschad zu wählen. Weil der Andrang so groß war, blieben die Lokale zwei Stunden länger auf.

TeheranTrotz zahlreicher Boykottaufrufe zeichnet sich bei der iranischen Präsidentenwahl eine hohe Wahlbeteiligung ab. Vor vielen Wahllokalen in der Hauptstadt Teheran und anderen Großstädten bildeten sich am Freitag lange Schlangen. Die Behörden verlängerten die Zeit zur Stimmabgabe daraufhin um zwei Stunden. Zur Wahl aufgerufen waren rund 50 Millionen Bürger. Sechs Kandidaten treten an, um Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad zu werden, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf.

Ergebnisse sollten am (morgigen) Samstag veröffentlicht werden. Sollte keiner der Kandidaten auf Anhieb eine absolute Mehrheit erreichen, treten am 21. Juni die beiden Erstplatzierten in einer Stichwahl gegeneinander an.

Ursprünglich hatten sich 686 Kandidaten registrieren lassen. Doch wurden alle bis auf sechs vom Wächterrat der Islamischen Republik vorab aussortiert. Das Gremium mit zwölf islamischen Rechtsgelehrten überwacht die Einhaltung der Verfassung und prüft zudem alle Kandidaten auf ihre Gottesfürchtigkeit hin. Als erstes hatte der Wächterrat alle 30 Frauen von der Liste gestrichen.

Zu den aussichtsreichsten Kandidaten, die im Rennen bleiben durften, gehört der als gemäßigt geltende Hassan Ruhani. Der 64-jährige Ex-Chefunterhändler für das umstrittene iranische Atomprogramm hatte mehrmals öffentlich Ahmadinedschad wegen dessen radikaler Äußerungen kritisiert. Einer seiner prominenten Unterstützer, der von der Kandidatur ausgeschlossene frühere Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani, hatte seine Landsleute zur Stimmabgabe aufgerufen - offenbar, um Ruhani zu stützen.

Ruhani ist dennoch kein radikaler Außenseiter: Er hat unter anderem den einflussreichen höchsten Nationalen Sicherheitsrat geleitet. Aber Ruhani gilt als Befürworter eines weniger konfrontativen Kurses gegenüber dem Westen und würde derzeit an die Seitenlinien verbannten Reformern wie Rafsandschani und Ex-Präsident Mohammed Chatami ein Forum bieten.

Viele reformorientierte Bürger hatten in den vergangenen Wochen erwogen, die Wahl aus Protest zu boykottieren. Dies könnte sich nun ändern, weil mit Ruhani ein moderater Konsenskandidat aussichtsreich im Rennen liegt. Der iranische Präsident hat wenig exekutive Befugnisse, kann aber als „oberster Diplomat“ seines Landes außenpolitisch durchaus wichtige Akzente setzen.

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