Präsidentschaftwahl
Mögliche Gül-Kandidatur belastet türkische Börse

Unbestätigte Berichte über eine neuerliche Kandidatur des ehemaligen Islamisten Abdullah Gül als Präsident der Türkei haben am Dienstag die Finanzmärkte belastet. Anleger fürchten, dass Güls Antreten das Militär auf den Plan rufen könnte, das sich als Hüter der Trennung von Religion und Staat versteht.

HB ISTANBUL. „Abdullah Gül hat Auswirkungen am Markt“, sagte ein Händler. Die Anleger reagieren damit auf Informationen aus Kreisen, wonach die türkische Regierungspartei AKP Gül am Montagabend Gül erneut für das Präsidentenamt nominiert hat. Wie aus der Partei verlautete, will der derzeitige Außenminister bereits am Dienstag bei Oppositionsführern um Unterstützung für werben. Danach werde er seine Bewerbung wahrscheinlich offiziell dem türkischen Parlament sowie der Presse bekannt geben.

Die Wahl im Parlament ist für den 20. August angesetzt. In den ersten beiden Wahlrunden muss ein Kandidat zwei Drittel der Stimmen erhalten, um sich durchzusetzen. Ab der dritten Runde reicht eine einfache Mehrheit, wie sie die AKP hat.

Der Streit um den Nachfolger von Präsident Ahmet Necdet Sezer hatte die Türkei im April in eine tiefe innenpolitische Krise gestürzt. Die einflussreiche säkulare Elite und das Militär hatten sich gegen eine Wahl Güls gestellt. Der Streit um den religiösen Politiker veranlasste Ministerpräsident Tayyip Erdogan zu vorgezogenen Wahlen im Juli, die seine islamisch-konservative Partei deutlich für sich entschied.

Die Kandidatur Güls ist auch in der AKP umstritten. Einige hochrangige Parteimitglieder wollten sich nach dem Wahlsieg auf Reformen konzentrieren und eine erneute Konfrontation mit den weltlich orientierten Kräften vermeiden. Die größte Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), hatte an Erdogan appelliert, einen Kompromisskandidaten ins Rennen zu schicken.

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