Preisgekröntes Konzept
So soll der Griechenland-Austritt funktionieren

An einem Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit soll Griechenland aus dem Euro austreten. Ein Volkswirt schrieb auf 112 Seiten die Anleitung zum „Grexit“ - und gewann einen mit 250.000 Pfund dotierten Preis.
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LondonMal angenommen ein Mitglied der Eurozone käme in ernsthafte Schwierigkeiten. Mal angenommen, die anderen Mitglieder der Gemeinschaftswährung überlegten, ob es eine gute Idee sein könnte, dieses Land aus dem Euro zu verbannen. Wie sollte so etwas eigentlich funktionieren? Ausgerechnet ein Wirtschaftswissenschaftler aus Großbritannien, dem Land der Euro-Kritiker, hat eine Antwort darauf. Unter dem Titel „Praktische Anleitung zum Euro-Austritt“ gibt Roger Bootle Tipps, wie ein geordneter Transformationsprozess aussehen könnte.

Am Donnerstag wurde ihm dafür in London der Wolfson Economic Prize, eine mit 250.000 Pfund dotierte Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaftler, zuerkannt. Die Familie von Lord Simon Wolfson - ein Unterstützer der Konservativen in Großbritannien und Mitglied des Oberhauses - und die Denkfabrik Policy Exchange hatten den Preis im November ausgelobt.

Bootles Thesen sind schwere Kost für Euro-Befürworter. „Die größte Gefahr der Ansteckung wird es geben, wenn Griechenland den Euro verlässt und damit Erfolg hat“, sagte Bootle am Donnerstag in London. „Es wäre eine Alternative zu schmerzlichen Sparmaßnahmen.“ Die Politik müsse schon einen Monat im voraus einen Plan in der Schublade haben, dürfe diesen aber nicht öffentlich machen.

„Die Menschen mögen ja bezweifeln, dass das Verlassen der Eurozone etwas Gutes ist“, sagte der 60 Jahre alte Preisträger. „Aber mein Beitrag zum Wolfson-Preis war, zu zeigen, das es überhaupt geht“, sagte Bootle. Am Ende wäre es für die in der Eurozone verbleibenden Länder sogar günstiger. „Vor sechs Monaten war das noch eine verbotene Diskussion“, sagte Preisstifter Simon Wolfson.

Technisch müsse zunächst eine neue Währung eingeführt werden, die zum Kurs 1:1 gegen den Euro getauscht werde, schlägt Bootle in seiner 112-seitigen Expertise vor. Auch Bankeinlagen, Kredite und Löhne sollten 1:1 umgetauscht werden. Schrittweise werde es aber unweigerlich zu einer Geldentwertung „um 30 bis 50 Prozent“ kommen, sagte Bootle, ehemals Chefvolkswirt der Großbank HSBC. Gleichzeitig müsse aber eine Inflationskontrolle und ein striktes, unabhängig überwachtes Schuldenmanagement geschaffen werden.

Bootles Pläne werden an manchen Stellen ungewöhnlich konkret. So schlägt er etwa vor, dass der Euro-Ausstieg am besten an einem Freitag verkündet werden solle. Am Anfang der darauffolgenden Woche solle der Plan dann in die Tat umgesetzt werden. Dazu sollten die Banken und Kapitalmärkte des Ausstiegslandes vorübergehend geschlossen werden, um weitere Kapitalflucht zu verhindern. So weit liegt Preisträger Bootle damit im Ergebnis nicht von einem seiner Kontrahenten im Wettbewerb entfernt, einem elfjährigen Jungen. Der hatte vorgeschlagen, Griechenland solle einfach die Drachme wieder einführen und seine Schulden bezahlen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Otto, was eine gametische Isolation ist weiss ich nicht, werde es auch nicht nachschlagen. Klar treibt der Wind von Gestern nicht die Mühlen von morgen an, denn Stillstand ist Rückschritt. Doch ist euer Neid unsere Anerkennung. Ein Land und dessen Bevölkerung so fertig zu machen, um euren Kapitalismus und eure Bänker zu schützen, zeigt euren wahren Charakter. Erst das Geld dann der Mensch. Im übrigen der selbe Kapitalismus, der auch euch hinters licht führt, den verteidigt ihr. Ihr arbeitet nicht wegen den Griechen bis 67 sondern um die Reichen noch Reicher zu machen. Vor soviel Engagement zieh Ich meinen Hut, denn Ich verteidige nicht meine Peiniger und trete auf deren Opfer.

  • Ich würde mal empfehlen ein Buch zu lesen, oder vielleicht noch besser gleich die Bild, da muss man nicht viel mitdenken sondern bekommt alles vorgekaut. Wenn man schon so eine Frage stellen muss, dann ...

  • Mich hätte auch interessiert, was der 11jährige sonst noch so gesagt hat… vielleicht wäre es ja mal angebracht, die Weltgeschicke für eine Dekade von Kindern regeln zu lassen. Das kann nur besser werden als das, was wir jetzt haben.
    Kinder hätten ganz ohne Diplomatie sehr schnell die Sache auf den Punkt gebracht:
    Das ist gemein! Das ist ungerecht! Du spielst nicht mehr mit!
    Da stecken wir Eltern viel Geduld und Geld in unsere Kinder, damit sie das verlernen, was wichtig ist.

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