Preisgrenze
EU will Preise für Auslands-SMS drücken

Reisende im EU-Ausland können auf deutlich günstigere SMS-Preise ab dem kommenden Sommer hoffen: Die Europäische Kommission will Preissenkungen für die rund 500 Millionen Handynutzer in den EU-Staaten erzwingen.

HB BRÜSSEL. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission dürfen die Mobilfunkanbieter pro Textnachricht dann nicht mehr als elf Cent berechnen. Im Vergleich zum bisherigen Durchschnittspreis in der Europäischen Union wäre das eine Preissenkung um 60 Prozent. „Der Verbraucher sollte für die Nutzung seines Handys im EU-Ausland nicht ohne Grund mehr zahlen als zu Hause“, sagte EU-Telekommunikationskommissarin Viviane Reding am Dienstag in Brüssel. Auch der Datenempfang per Mobiltelefon soll deutlich günstiger werden.

Die EU hatte die Telekom-Firmen bereits im vergangenen Jahr zu einer kräftigen Preissenkung von Handy-Gesprächen im Ausland gezwungen. Für Anrufe aus einem anderen EU-Land müssen die Europäer derzeit noch 46 Cent je Minute ohne Mehrwertsteuer bezahlen im Vergleich zu durchschnittlich 1,10 Euro vor der Verordnung. Die EU-Kommission schlägt vor, die Preisgrenze bis Juli 2012 auf 34 Cent weiter zu senken. In Zukunft sollen zudem auch die Auslandsgespräche sekundengenau abgerechnet werden.

Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte, dank der niedrigeren Preise würde das Aufkommen an SMS und Datentransfers in Zukunft stark zunehmen. Die Gebührensenkung sei deshalb nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die Unternehmen ein Vorteil.

Nach Daten der Vereinigung der Mobilfunkbetreiber haben die Europäer seit der Tarifsenkung 2007 auch tatsächlich elf Prozent mehr telefoniert. Doch der Umsatz fiel gleichzeitig um 26 Prozent. Die Branche kritisiert den neuen Vorschlag aus Brüssel daher auch. „Die politisch motivierte Regulierung wird damit fortgesetzt“, erklärte Verbandssprecher Tom Phillips.

Die Verordnung muss noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedsländer finden. Letztere haben den Vorschlag bereits mitgestaltet, denn die EU-Kommission sprach ihr Vorhaben mit den Telekom-Regulierern der 27 EU-Staaten ab.

Die deutschen Mobilfunkanbieter reagierten verhalten auf den Vorschlag der EU-Kommission. E-Plus-Unternehmenssprecher Guido Heitmann sagte, der vorgeschlagene Endpreis für Auslands-SMS liege unter dem aktuellen Inlandspreis: „Das kann ja nicht sein.“ Damit mache die Kommission mittelbar auch nationale Preispolitik. Ein Vodafone-Sprecher sagte, man behalte sich im Einzelfall rechtliche Schritte vor. Eine Stellungnahme von T-Mobile war zunächst nicht zu erhalten.



Zwar sei es verständlich, dass die Kommission regulierend in den Markt eingreife, erklärte E-Plus-Sprecher Heitmann. Eine Begrenzung der Endkundentarife sei aus Sicht des Unternehmens aber nicht nötig. „Niedrige, faire Vorleistungspreise“ seien die einzige nötige Ausgangsbasis für einen funktionierenden Preiswettbewerb.

Auch der Vodafone-Sprecher sagte, man brauche keinen regulierenden Eingriff. „Tendenziell glaube ich, dass wir einen durchaus funktionierenden Wettbewerb haben.“ Zu den konkreten Preisvorschlägen der EU-Kommission wollte er sich zunächst nicht äußern. Man werde die Forderungen im Detail prüfen. Im Einzelfall behalte man sich rechtliche Schritte vor, falls sich herausstelle, dass die Preisvorschläge nicht die wahren Kosten decken.

Eine Grenze setzt die EU auch bei den Tarifen für das Herunterladen von Daten mit dem Handy im Ausland. Untereinander dürfen die Mobilfunkfirmen pro Megabyte künftig nur noch einen Euro berechnen, womit die Preise für die Verbraucher sinken können. Diese liegen derzeit noch zwischen fünf und zehn Euro.

Zudem sind die Kunden oft nicht über die hohen Auslandskosten informiert, so dass ihnen nach dem Urlaub mit Erhalt der Rechnung böse Überraschungen drohen. So leistete sich nach einem Beispiel der Kommission ein Urlauber mit dem Herunterladen einer TV-Sendung ein teures Vergnügen. Die Rechnung belief sich auf 40 000 Euro. Die EU will deshalb ab 2010 die Regel einführen, dass ein Kunde im Voraus festlegen kann, ab welchem Betrag die Dienstleistung automatisch abgebrochen wird.

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