Preisprognose für Öl nach oben korrigiert
Welt steuert auf Energiekrise zu

Energieverbraucher müssen sich nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) auf Stromausfälle und Preisausschläge einrichten, wenn die Politik nicht schnell gegensteuert. „Wenn wir auf unserem energiepolitischen Kurs weiterfahren, werden wir in den kommenden Jahrzehnten von Krise zu Krise schlittern“, warnte Claude Mandil, der Geschäftsführende Direktor der IEA, am Dienstag bei der Vorstellung des Weltenergieausblicks 2006 in London. Bis 2030 werde sich der weltweite Energie-Bedarf um 53 Prozent erhöhen. Der Anstieg gehe vor allem auf Entwicklungsländer wie China und Indien zurück.

dih/juf/HB LONDON/DÜSSELODRF. „Im letzten Jahr haben wir gesagt, dieser Kurs ist nicht nachhaltig“, sagte Mandil, „dieses Jahr sind wir einen Schritt weiter: er ist zum Scheitern verurteilt.“ Die Hauptursache dafür sei der Mangel an Investitionen in grundlegende Infrastruktur. Der jüngste Stromausfall in Europa sei nur ein Vorgeschmack darauf.

„Wenn die aktuellen Trends anhalten, liegt vor uns eine schmutzige, unsichere und teure Energie-Zukunft“, sagte Mandil weiter. Demnach wird die weltweite Nachfrage nach Öl bis 2030 auf 116 Mill. Barrel pro Tag steigen im Vergleich zu 84 Mill. Barrel im vergangenen Jahr. Der Kohlendioxid-Ausstoß wird sich um 55 Prozent auf 40 Gigatonnen im Jahr erhöhen. Vermutlich wird China schon in den kommenden vier Jahren die USA als größten Produzenten dieser klimaschädlichen Emissionen ablösen.

Die drastischen Warnungen des IEA-Chefs reihen sich in eine Serie von Weckrufen ein. Erst vor einer Woche warnte der Ex-Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, vor enormen wirtschaftlichen Schäden des Klimawandels und forderte die Regierungen dringend zum Handeln auf. Auf der UN-Weltklimakonferenz in Nairobi suchen derzeit rund 6 000 Experten nach einem Weg zur Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen. Ebenso wie Sterns Report im Auftrag der britischen Regierung betont auch die IEA, die von den 26 in der OECD zusammengeschlossenen Industriestaaten getragen wird, dass es wirtschaftliche Auswege aus der drohenden Krise gibt. Ihre Sorge gilt neben dem Klimawandel auch der Sicherheit der Energieversorgung.

Beide Probleme lassen sich laut IEA nur durch massive Investitionen in die Diversifizierung der Versorgung lösen – sowohl nach regionaler Herkunft als auch nach Energieträger. Die Pariser Organisation setzte ihre Schätzung der bis 2030 benötigten Ausgaben von 17 auf über 20 Billionen Dollar herauf. Mehr als die Hälfte des Geldes muss laut IEA in die Stromversorgung fließen. Dabei geht es in schnell wachsenden Schwellenländern wie China und Indien um den raschen Aufbau und in den reifen Industriestaaten um die nicht minder dringende Modernisierung von Kraftwerken und Stromnetzen.

„Es ist entscheidend, was in den nächsten zehn Jahren passiert“, appellierte Mandil an die Politik. Wenn China und Indien ausschließlich Kohlekraftwerke mit relativ geringem Wirkungsgrad bauten, werde das das Weltklima auf mehrere Jahrzehnte hinaus belasten. Doch auch in Europa oder Nordamerika komme es darauf an, dass der Kraftwerkspark so modernisiert werde, dass der Ausstoß von Kohlendioxid sinke.

Eine wichtige Rolle in diesem gewaltigen Investitionsprogramm kommt laut Mandil den Regierungen zu. Er sprach sich zwar gegen direkte Subventionen aus und wollte sich auch nicht auf „grüne Steuern“ festlegen lassen, forderte aber, die Regierungen müssten die Rahmenbedingungen so stecken, dass die Unternehmen in saubere Kraftwerke investierten und Energiesparen belohnt werde. Sie müssten auch dafür sorgen, dass es sich lohne, trotz der hohen Anfangskosten neue Kernkraftwerke zu bauen, denn ohne diese sei eine klimafreundlichere Stromversorgung nicht denkbar. Die IEA erkenne an, dass es in manchen Ländern politischen und psychologischen Widerstand dagegen gäbe, aber die Regierungen müssten sich bemühen, diesen zu überwinden.

Seite 1:

Welt steuert auf Energiekrise zu

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%