Premier fordert Reform des Finanzsystems
Gordon Brown geißelt „ungebremste Marktkräfte“

Mit einem Linksschwenk versucht Großbritanniens Premier Gordon Brown die Autorität in seiner Partei zurückzugewinnen. Dazu schlägt er eine Vielzahl neuer Ideen und Regeln gegen die „ungebremsten Marktkräfte“ vor.

MANCHESTER. Der britische Labour-Parteichef Gordon Brown hat sich den Briten als „Fels der Stabilität und Fairness“ in der Krise angeboten. Gleichzeitig versuchte er mit seiner Grundsatzrede auf dem Parteitag in Manchester einen Schlussstrich unter die Spekulationen um seine Führungsposition zu setzen.

„Dies ist nicht die Zeit für einen Lehrling“, sagte Brown. Damit spielte er nicht nur auf den konservativen Parteichef David Cameron an, der in Wählerumfragen weit vorne liegt, sondern auch auf innerparteiliche Kritiker, die in Manchester direkt oder indirekt auf seine Ablösung drängten. Außenminister David Miliband hatte sich quasi als Alternative zu Brown angeboten. „Brown hat seine eigene Stimme gefunden“, sagte Miliband nach der Rede.

Überraschend hatte Browns Frau Sarah seinen Auftritt mit den Worten eingeleitet: „Ich bin so stolz, ihn jeden Morgen hart für die Interessen der Menschen und des Landes arbeiten zu sehen.“

Mit der Furcht vor harten Zeiten und wachsendem Ressentiment gegen die City und ihre „verantwortungslosen Praktiken“ eröffnet die Finanzkrise Brown plötzlich eine neue Perspektive. Er versprach, sich voll darauf zu konzentrieren, „das Land durch die beispiellosen Herausforderungen zu führen, vor denen wir stehen, und die faire Gesellschaft der Zukunft zu bauen“. Priorität habe die Stabilisierung der Finanzmärkte. Schon heute will Brown in New York Pläne für ein neues finanzielles Regelsystem erläutern. Schatzkanzler Alistair Darling kündigte ein neues Finanzgesetz an, das den Einfluss der Regulierungsbehörden erweitern und ein Eingreifen in Notfällen erleichtern soll.

Brown nannte fünf Prinzipien für eine Neuordnung des Weltfinanzsystems: absolute Verpflichtung zu Transparenz, bei der es keine versteckten Risiken gebe; gesunde Bankprinzipien, bei denen demonstriert werde, dass Risiken auch in schlechten Zeiten getragen werden können; persönliche Verantwortlichkeit – kein Banker dürfe in Zukunft behaupten, er habe die Risiken nicht verstanden und sich aus der Verantwortung ziehen; Integrität, wobei Brown die Vergabe von Prämien nannte; globale Normen und eine globale Finanzaufsicht. Auf Basis dieser Reformen könne London das führende Finanzzentrum der Welt bleiben, so Brown.

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