Premier Gordon Brown
Die Labourpartei feiert ihren Meister Proper

Die Ära Tony Blair verblasst schneller, als erwartet: Das neue Image von Premier Gordon Brown verblüfft Freund und Feind gleichermaßen. Brown nutzte dabei den Labourparteitag in Bournemouth für eine lupenreine Wahlkampfrede. Labour gibt sich siegessicher – und die Tories haben sich offenbar verspekuliert.

BOURNEMOUTH. Er hat jetzt denselben Schneider wie Tom Cruise. Die Strubbelhaare sind geschnitten und gescheitelt und er hat gelernt, beim Reden Pausen zu machen. Das, worauf es ankommt, sagt er jetzt langsamer. „Ich stehe für ein Großbritannien der Strebsamen und ein Großbritannien der Gemeinschaft. Wir werden die Talente von allen freisetzen“.

Parteitag der Labourpartei in Bournemouth. Eine gigantische Wahlkampfveranstaltung, auch wenn der Termin der Unterhauswahl das Geheimnis von Premier Gordon Brown bleibt. „Die Queen wird es als erste wissen. Bis dahin mache ich meine Arbeit“, sagt Brown. Wenn er spricht, schiebt er nach jedem Satz den Unterkiefer zurück, das lässt ihn unbeholfen und verlegen, aber auch ein bisschen verschmitzt aussehen.

Aber die Spötter sind still geworden. „Brown ist eine Figur von Statur und Substanz. Das haben die Konservativen zu ihrem Schaden lernen müssen“, freut sich Labours Wahlkampfkoordinator Douglas Alexander. Er rennt in Bournemouth im Laufschritt von Veranstaltung zu Veranstaltung und verkündet: „Wir sind bereit, den Briten unsere Vision vorzustellen. Wir haben die Werte, die Ideen und die Leute“.

Vor allem haben sie Gordon Brown. Keine 100 Tage ist der neue Labourchef Premier und schon hat er die Partei im Jubel hinter sich geschart und das gerade erst wieder gewonnene Selbstbewusstsein der Tory-Opposition zerschlagen. Acht Prozent Vorsprung gab ihm gestern die „Sun“. Der Alt-Tory und einstige Thatcher-Liebling Michael Portillo gab zu: „Die Tories haben Angst vor einer Wahl“.

Das war die Phase eins. Mit Browns Rede begann gestern das nächste Kapitel der Strategie. Die Briten bekommen ein Wahlprogramm zu hören, das alles bisherige in den Schatten stellt. Nicht nur mit einer „Tiefenreinigung“ von Krankenhausviren versuchter Schmuddelhospitäler präsentiert sich Brown als neuer Meister Proper. Für alle und jeden hatte er etwas, von den Kleinsten und ihren Müttern bis zu den Rentnern und chronisch Kranken. Mehr Mutterschaftsurlaub. Ein höherer Mindestlohn. Mehr Urlaub. Mehr Eigenheimbesitzer. Die Zahl zukünftiger „Ökostädte“ wird auf zehn verdoppelt. Im Gesundheitsdienst NHS sollen die Patienten „nicht wie Nummern, sondern mit Respekt“ behandelt werde. Die Tories, dagegen, „stehen für Stillstand und Stagnation“, so Browns Kampfruf. Cameron erwähnte er mit keinem Wort, dafür sagte er 72 mal „Britisch“.

Brown ist gelungen, was niemand für möglich hielt. Er löschte alle belastenden Erinnerungen aus. Nicht nur an Tony Blair und den Irakkrieg. Vor allem die an Gordon Brown, den Verschwörer, der zehn Jahre lang bei Labourparteitagen als zweiter Mann neben Tony Blair saß und die Rolle des neidischen Intriganten spielte.

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