Premier-Rivalen stehen bei knappem Labour-Erfolg bereit
Wahlmaschine der Blair-Regierung läuft an

Der Zeitpunkt war gut gewählt: Gestern Morgen lief der Labour-Abgeordnete Stephen Wilkinson zu den Liberal-Demokraten über. Er ärgere sich „über den autoritären Führungsstil“ seines Premierministers Tony Blair, diktierte er den Journalisten in die Blöcke. Höhere Aufmerksamkeit hätte Hinterbänkler Wilkinson nicht erregen können als an diesem Tag. Nur wenige Stunden später begab sich Blair zur Königin und bat um die Auflösung des Parlaments. Damit ist der Startschuss für die Neuwahl des Unterhauses am 5. Mai gefallen.

LONDON. Für Tony Blair war der gestrige Tag – wie zuletzt oft – kein guter. Neben der schlechten Nachricht über den Überläufer musste er sich mit negativen Umfragewerten herumschlagen. Eine Hand voll Zeitungen sah den Vorsprung der Regierungspartei gegenüber der konservativen Opposition auf wenige Prozentpunkte fallen – was dank des britischen Wahlsystems freilich noch immer für eine Mehrheit reicht (siehe „Der Countdown zur Wahl“). Auch professionelle Wahlbeobachter lassen sich von diesen Zahlen nicht beeindrucken: „Um zu gewinnen, müssen die Konservativen einen niemals zuvor erreichten Umschwung bei den Wählern schaffen. Es geht eher um die Höhe einer Labour-Mehrheit“, sagt Adrian Cooper, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Oxford Economic Forecasting.

Für Tony Blair enthält die Wahl dennoch Zündstoff: Fällt die Mehrheit zu gering aus, dürften seine Tage als Premier früher zu Ende gehen, als ihm lieb ist. Ein Rückgang von aktuell mehr als 160 Sitzen Vorsprung auf unter 50 würde seinem größten parteiinternen Rivalen Gordon Brown in die Hände spielen.

Die seit acht Jahren erfolgsverwöhnte Labour-Partei fand sich zuletzt oft in der Defensive. Die Debatte um den Irak-Krieg verfolgt den Regierungschef wie eine lästige Fliege. Zuletzt musste die Partei trotz einer riesigen Mehrheit im Parlament eine empfindliche Niederlage einstecken, als sie die Anti-Terror-Gesetze drastisch verschärfen wollte. Blair selbst wirkt bei öffentlichen Diskussionen in jüngster Zeit ungewöhnlich hölzern. Mehrfach wurde der einstige Schöpfer des „Cool Britannia“-Slogans von enttäuschten Wählerinnen vor laufender Kamera beschimpft.

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