Premier Valls zu Terrorangriffen
„Der IS kann diesen Krieg gegen uns nicht gewinnen“

Frankreichs Premier Manuel Valls warnt vor weiteren Angriffen der Terrormiliz IS – nicht nur in Frankreich. Bei mehr als 150 Razzien während der Nacht in ganz Frankreich fanden die Ermittler in Lyon Raketenwerfer.

ParisDer französische Premierminister Manuell Valls hat davor gewarnt, dass die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach den Angriffen in Paris auch Attacken in anderen europäischen Ländern vorbereite. „Wir wissen, dass Operationen vorbereitet werden, nicht nur in Frankreich, sondern gegen andere europäische Länder" – und zwar „in den kommenden Tagen, in den kommenden Wochen“, sagte Valls am Montagmorgen dem Radiosender RTL. „Wir werden noch lange mit dieser Bedrohung leben.“

Die Pariser Anschläge seien in Syrien vorbereitet worden, sagte Valls. Die Attentate „wurden von Syrien aus organisiert, erdacht und geplant“.

Valls rief die Bevölkerung Frankreichs weiter zu „Wachsamkeit“ auf. Das Verhalten jedes einzelnen werde sich durch „diese terroristische Bedrohung verändern“, sagte Valls dem Sender RTL am Montagmorgen. Der IS „kann diesen Krieg gegen uns nicht gewinnen“, aber er versuche, Frankreich zu schwächen.

Der IS hatte sich zu der Anschlagsserie am Freitagabend mit 129 Toten bekannt. Frankreich könne erneut von Anschlägen heimgesucht werden - "in den kommenden Tagen, in den kommenden Wochen", warnte Valls.

Der Premier kündigte an, dass die Regierung im "Krieg" gegen den Terrorismus "keine Lösung" ausschließe. Am Sonntagabend hatten französische Kampfflugzeuge bereits mehrere Luftangriffe auf IS-Stellungen und Ausbildungslager in ihrer syrischen Hochburg Raka geflogen. Valls sagte, Frankreich sei "beim Vorgehen gegen den Terrorismus oft unter der Vorhut" gewesen, etwa in Mali, wo die Streitkräfte Anfang 2013 gegen islamistische Milizen interveniert waren.

"Wir müssen die Moscheen und Vereine schließen, die die Werte der Republik angreifen", forderte der Premierminister. Zuvor hatte bereits Innenminister Bernard Cazeneuve angekündigt, dass das Kabinett über die Schließung von Moscheen beraten werde, "in denen Hass verbreitet wird". Der Ausnahmezustand erlaube es, die Ausweisung derjenigen voranzutreiben, die "Hass predigen, die unter Terrorverdacht stehen oder an Terrorakten beteiligt waren", sagte Cazeneuve.

Valls teilte derweil mit, es habe in der Nacht im Rahmen des Ausnahmezustands mehr als 150 Durchsuchungen in ganz Frankreich gegeben. Präsident François Hollande hatte nach den islamistischen Anschlägen den Ausnahmezustand verhängt. Er erlaubt Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss in der Nacht. Aus Ermittlerkreisen verlautete, die meisten Razzien stünden nicht in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Anschlägen.

Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, wurden dabei in der Region von Lyon bei einem Verdächtigen eine Panzerfaust, Splitterschutzwesten, mehrere Pistolen und ein Sturmgewehr gefunden. Insgesamt gab es in der Region von Lyon und Villefranche-sur-Saône 13 Durchsuchungen, bei denen fünf Verdächtige festgenommen wurden. In der Region von Grenoble wurden laut der Zeitung "Dauphiné Libéré" mehrere Menschen festgenommen sowie Geld und Waffen beschlagnahmt.

In Toulouse wurden in der Nacht bei Durchsuchungen drei Verdächtige festgenommen. Die Razzien fanden in dem Viertel statt, in dem der islamistische Attentäter Mohammed Merah lebte, der im März in Toulouse und Montauban drei Soldaten und einen Lehrer und drei Schüler einer jüdischen Schule ermordet hatte. Auch im Großraum Paris gab es laut Ermittlern rund 30 Durchsuchungen.

"Heute muss sich die internationale Gemeinschaft mobilisieren" für einen "Krieg, der lang und schwierig sein wird", sagte Valls. "Mehr als jemals ist eine heilige Union unverzichtbar." Hollande wollte am Nachmittag vor Senatoren und Abgeordneten sein weiteres Vorgehen nach den Anschlägen vorstellen. Am Mittag war eine landesweite Schweigeminute geplant. Seit Sonntag gilt eine dreitägige Trauerzeit, die Flaggen wehten am Montag auf Halbmast.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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