Premierminister tritt ab
Thatchers Erbe, Bushs Pudel

George Bush und der Irak-Krieg haben Tony Blairs Regierungszeit zerstört. Trotzdem wird er als einer der großen Premierminister in die britische Geschichte eingehen. Eine Report über Aufstieg und Fall des Labour-Mannes.

LONDON. Über der Themse ging die Sonne auf, als der Wahlsieger auf die Bühne trat und rief: „Ein neuer Morgen hat begonnen und er ist wunderbar“. Tony Blair war direkt nach der Stimmenauszählung von seinem Wahlkreis nach London geflogen. Es war 5 Uhr, der 2. Mai 1997. Man merkte ihm keine Müdigkeit, nur die Spannung der Verantwortung an. Damals nannten sie den 43-jährigen noch ‚Bambi’. Aber mitten im Jubel zeigte er schon Härte. Er hatte eine Warnung für seine Partei bereit: „Wir wurden als New Labour gewählt und werden als New Labour regieren“, sagt er, um Hoffnungen auf einen schnellen Linksruck zu dämpfen. Niemand hörte hin. Taumelnd vor Freude sang Labour den Wahlkampfsong: „Things can only get better“.

Als die Blairs kurz vor Mittag endlich in der von Vorgänger John Major eilends geräumten Amtswohnung in der Downing Street standen, fanden sie eine Flasche Champagner auf dem Tisch. „Es ist ein großartiger Job – viel Spaß!“, hatte Major auf eine Karte geschrieben.

1997: Tee mit Frau Thatcher

Am 22. Mai lud Blair Margaret Thatcher zum Tee in die Downing Street. Seit ihrem Sturz hatte sie dort praktisch Hausverbot. Nun wurde sie durch den Nebeneingang zu dem jungen Labour Premier geschmuggelt. Zwei Ratschläge hatte sie für ihn: Er dürfe niemals das Pfund durch den Euro ersetzen und nie das enge Verhältnis zu Amerika aufgeben.

Blairs Bewunderung für Thatcher war kein Geheimnis. Schon vor der Wahl hatte der „Figaro“ angesichts von Blairs konservativem Kurs geschrieben: „Der Sieger dieser Wahl wird nicht Blair oder Major, sondern Margaret Thatcher heißen“. Auch Thatcher sah das so: „Den Wählern standen zwei konservative Parteien zur Auswahl. Sie entschieden sich für diejenige mit dem hübscheren Gesicht“.

Blair hatte begriffen, dass der Kern von Thatchers Reformen richtig und unumkehrbar war: Globalisierung, Privatisierung, das Wachstum des Individualismus, ein Sozialstaat, der Bürger nicht versorgt, sondern zur Selbstverantwortung befähigt. Ob das links oder rechts war, interessierte ihn wenig. Er nannte es: Modernisierung.

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