Presse zur Trump-Visite Viel Lob für Merkel nach Besuch beim „Zerstörer“

Ein derart einhelliges Lob der Medien bekommen Politiker selten. Merkel habe bei ihrem ersten Besuch bei Trump „alles richtig“ gemacht, heißt es in der Presse. Es komme aber noch viel Arbeit auf die Kanzlerin zu.
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Die Medienwelt ist sich einig: Das war ein guter Auftritt. Quelle: dpa
Merkel trifft Trump

Die Medienwelt ist sich einig: Das war ein guter Auftritt.

(Foto: dpa)

BerlinKanzlerin Angela Merkel hat ihren Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump nach Einschätzung in- und ausländischer Medien mit Erfolg über die Bühne gebracht. In deutschen Pressekommentaren wird vor allem gelobt, dass Merkel die Bedeutung offener Grenzen und eines freien Welthandels zum Thema machte. Ausländische Medien stellen das Treffen in einen wesentlich größeren Zusammenhang.

Die liberale und Trump gegenüber kritische Zeitung „New York Times“ kommentierte: „Der große Zerstörer tritt der letzten Verteidigerin der liberalen Weltordnung gegenüber.“ In dieselbe Kerbe hieb der liberale britische „Guardian“: „Hier stieß eine ruhige, bedächtige und passionierte Europäerin mit einem Mann zusammen, dessen Unwissenheit über Außenpolitik bodenlos zu sein scheint.“

„Sendet ein schönes Bild heim nach Deutschland!“
Merkel trifft Trump
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Merkel traf am Morgen (Ortszeit) für mehrere Treffen mit Trump ein.

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US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag im Weißen Haus begrüßt.

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Merkel hatte das Weiße Haus ursprünglich am Dienstag besuchen sollen. Doch wurde dieses Treffen wegen eines Schneesturms an der US-Ostküste verschoben.

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„Sendet ein schönes Bild heim nach Deutschland!“ sagte Trump zu deutschen Foto-Journalisten.

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Auf dem Programm standen Gespräche über eine Stärkung der Nato, den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und eine Lösung des Ukraine-Konflikts.

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Die Ehrengarde steht in Washington vor dem Weißen Haus.

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US-Präsident Donald Trump sieht sich nicht als Isolationisten. „Wir sind ein sehr starkes Land, vielleicht bald auf einem Level, das es noch nie gegeben hat“, sagte Trump am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel in Washington. Dennoch sei er als US-Präsident ein Handelsmann und in keinerlei Hinsicht ein Isolationist, also ein Befürworter einer Abschottungspolitik.

Das US-Magazin „The Atlantic“ griff Trumps frühere Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik auf. „Was Merkel angeht, nutzte sie ihr eigenes Statement für eine versteckte Schelte für Trump, der in der Vergangenheit gesagt hatte, sie „ruiniere“ Deutschland mit dem „katastrophalen Fehler“ einer Politik der offenen Tür für Flüchtlinge.“ Merkel habe betont, es sei besser, miteinander zu reden als übereinander. Fraglich sei aber, so die Zeitung, ob die beiden wirklich miteinander gesprochen hätten. Während Trump bei der Pressekonferenz „aus der Hüfte geschossen“ habe, sei Merkel bemüht gewesen, die Lage zu beruhigen oder sich rauszuhalten.

Deutsche Medien heben mehr auf die wirtschaftlichen Aspekte des Besuchs ab. „Wenn die Bilder vom Treffen mit Wirtschaftsvertretern und die ersten Nachrichten nicht täuschen, dann hat die deutsche Delegation alles richtig gemacht“, schrieb das „Flensburger Tageblatt“. Beim Geschäft würden sich alle verstehen, offenkundig besonders bei der Frage der dualen Ausbildung. Und wenn sonst zwischen Trump und Merkel nicht viel zusammenpasse – die gemeinsamen Interessen seien immer das stärkste Argument. „Es war keinesfalls herzlich, aber besser als befürchtet“, lautet das Fazit der Zeitung.

Die „Lausitzer Rundschau“ bescheinigt Merkel ein „gesundes Selbstbewusstsein“. Der Antrittsbesuch könne dann als Erfolg bezeichnet werden, wenn Trump zumindest eine Ahnung davon bekommen habe, dass sein „America First“ riskanter sein könnte als Kooperation mit einer so starken Wirtschaftsmacht wie es die EU ist. „Trump soll etwas lernen: Aus „America First“ könnte schnell „America Alone“ werden, eine ungeahnte Einsamkeit Amerikas, mit fatalen Folgen für die US-Wirtschaft“, kommentiert die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

Das „Göttinger Tageblatt“ schreibt angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtung beider Länder: „Es sich mit den Deutschen zu verscherzen, könnte für die USA sehr unklug sein.“ Wenn Trump in den nächsten Wochen und Monaten keinen Handelskrieg anfängt, habe Merkel schon viel erreicht, betont die „Märkische Allgemeine“.

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen hängen nach Meinung des „Darmstädter Echos“ davon ab, ob es Merkel wie bei Bush und Obama schaffe, eine belastbare Arbeitsbeziehung zu etablieren. Ob das gelingt, sei offen. Aber Trump brauche Merkel, weil sie Wladimir Putin und andere Staatschefs viel besser kennt als er. „Das Justieren und Taxieren hat also gerade erst begonnen.“

Auch die konservative tschechische Zeitung „Lidove noviny“ sieht Merkel und Trump noch ganz am Anfang. „Als der damalige US-Präsident George W. Bush in Europa angefeindet wurde, verstand sich die Kanzlerin überraschend gut mit ihm“, schrieb die Zeitung. „Davon zeugen Bilder, wie Bush sie mit dem Jeep auf seiner Ranch herumfuhr. (...) Dafür, dass Trump Merkel zu sich nach Florida einlädt, ist es noch zu früh.“

  • dpa
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