Pressefreiheit
Zeit-Korrespondent in China vorübergehend in Haft

Der China-Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“, Georg Blume, ist bei einer Recherche in Zentralchina von der Polizei festgenommen worden. Der Journalist hatte versucht, mehr über gehäuft auftretenden Erkrankungen in den so genannten „Krebsdörfern“ zu erfahren. Nach fünf Stunden kam er wieder frei.

HB PEKING. „Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin wieder frei“, sagte Blume am Freitagmorgen deutscher Zeit der „Zeit“, -Redaktion, die ihn telefonisch erreicht hatte. Zuvor hatte er ebenfalls telefonisch berichtet, er werde in einem Hotel in der Stadt Shenqiu in der Provinz Henan festgehalten. Ihm seien „illegale Interviews“ vorgeworfen worden.

Wie die „Zeit“ auf ihrer Internet-Seite berichtet, konnte Blume am Donnerstag unbehelligt mit Dorfbewohnern und Umweltschützern sprechen. Am Freitagmorgen sei er jedoch von der Polizei beschattet worden, nachdem er sein Hotel verlassen hatte, und habe auf weitere Interviews verzichtet. Bei der Fahrt auf die Autobahn sei sein Taxi von Zivilpolizisten an einer Mautstelle angehalten und er festgenommen worden. In dem Hotel wurde Blume fünf Stunden lang festgehalten und verhört. Blume musste laut „Zeit“ eine Erklärung unterschreiben, dass er ohne Genehmigung der Behörden die Provinz Henan besucht habe.

Der Journalist hatte in einem der 20 Dörfer entlang des mit Schadstoffen verschmutzten Flusses Shaying recherchiert, wo die Krebsraten seit den 90er Jahren dramatisch gestiegen sind. In dem 2400 Einwohner zählenden Dorf Huangmengying sind bereits mehr als 120 Menschen an Krebs gestorben. Das Dorf liegt an einem Kanal, dessen Wasser durch eine 20 Kilometer entfernte Fabrik zur Herstellung von Geschmacksverstärkern schwer verseucht ist.

Das Schicksal der „Krebsdörfer“ wird selbst in den staatlich kontrollierten chinesischen Medien behandelt. Danach wirft der Dorfvorsteher von Huangmengying einer Papierfabrik und anderen Industriebetrieben flussaufwärts vor, „rücksichtslos“ unbehandelte Abwässer in den Fluss zu leiten. Besonders Menschen an Bächen und Teichen, die Wasser aus dem Fluss beziehen, leiden an Darm- und Speiseröhrenkrebs. Das Gesundheitsamt von Shenqiu fand auch hohe Konzentrationen von Mangan und Nitrat im Grundwasser des Dorfes.

1998 hatten die chinesischen Behörden den damaligen Korrespondenten des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, Jürgen Kremb, ausgewiesen. Peking begründet den Schritt damit, dass Kremb illegalerweise chinesische Geheimdokumente besessen und gegen Gesetze verstossen habe. Die „Zeit“ gehört zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, in der auch das „Handelsblatt“ erscheint.

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