Pressekonferenz auf Januar verschoben
Donald Trump taucht wieder ab

Donald Trump geht auf Tauchstation. Die für Donnerstag angesetzte Pressekonferenz - die erste seit seiner Wahl zum künftigen US-Präsidenten - hat er kurzfristig abgesagt. Dabei gäbe es viel zu klären.
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San FranciscoEs sollte ein großer Auftritt werden. Per Twitter hatte der 45. Präsident der USA für Donnerstag, den 15. Dezember, seine erste Pressekonferenz angekündigt. Darin wollte er mitteilen, wie der Übergang seiner Anteile an hunderten Trump-Unternehmen an seine Kinder vonstatten gehen soll. Ein wichtiger Aspekt.

In Umfragen antworten die amerikanischen Bürger immer wieder mehrheitlich, die Geschäftsverbindungen Trumps in den USA und vielen Ländern der Erde besorge sie. Ein künftiger Interessenkonflikt ist nicht auszuschließen.

Doch nun kam die Korrektur. Die Nachrichtenagentur Bloomberg vermeldete unter Berufung auf Quellen aus dem Übergangsteams des kommenden Präsidenten, die Konferenz werde auf Januar verschoben. CNN meldete später, Trump-Sprecherin Hope Hicks habe dies bestätigt. Die „Verlautbarungen sind auf Januar verschoben“. Die Begründung: Das Ganze sei juristisch sehr kompliziert und die Anwälte würden noch prüfen.

Trump sei zudem zu sehr damit beschäftigt, sein Kabinett zusammenzusetzen. Besonders die Besetzung des Außenministerpostens wird mit Spannung erwartet. In der Nacht teilte er über Twitter mit, am Dienstag werde er den künftigen Außenminister benennen. Einer der Favoriten ist Exxon-CEO Rex Tillerson, ein enger Freund von Russlands Präsident Wladimir Putin. Allein das hätte am Donnerstag zu vielen Nachfragen durch Journalisten geführt.

Doch ob das die ganze Wahrheit ist, ist schwer zu sagen. Bevor er zugestimmt hatte, seine Unternehmen abzugeben, um unbelastet als Präsident regieren zu können, hatte er schon klargestellt, er habe formal eigentlich das Recht als US-Präsident seinen privaten Geschäften nachzugehen.

Die Absage der Pressekonferenz kommt nur wenige Tage vor einem wichtigen Termin. Kommende Woche tritt das Wahlmänner-Gremium zusammen, um seine Wahl zum US-Präsidenten endgültig zu besiegeln, bevor er am 20. Januar vereidigt wird. Nach der Entscheidung kann er erst wirklich im legalen Rahmen machen, was er will, ohne Verärgerung hervorzurufen. Zum Beispiel seine Firmen doch behalten.

Trump hat ein Talent unbequeme Entscheidungen auszusitzen, so hat er sich bis heute geweigert, seine Steuererklärungen vorzulegen, was noch jeder andere Kandidat vor ihm gemacht hat.

Es ist 138 Tage her, seitdem Trump seine letzte Pressekonferenz abgehalten hat. Damals forderte er unter anderem Russland auf, die E-Mail-Konten von Hillary Clinton zu hacken und die verschwundenen E-Mails zu finden. Auch daran möchte er sicherlich momentan nur ungern erinnert werden. Der CIA und das Weiße Haus werfen Russland nun nämlich vor, im Sinne von Trump durch Cyber-Spionage in den US-Wahlkampf eingegriffen zu haben. Trump weist dies aufs Schärfste zurück.

Aber diskutieren muss man das jetzt nicht unbedingt. Und vielleicht werden die Amerikaner ja im Januar auch ihren ersten Teilzeit-Präsidenten vereidigen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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