Pressereaktionen auf Todesurteil
„Nicht einmal Saddam verdient diese Strafe“

Das Todesurteil gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein ist weltweit unterschiedlich aufgenommen worden. Reaktionen reichen von Zustimmung bis scharfer Kritik. Während einige Kommentatoren von einer „gerechten Strafe für einen Massenmörder“ sprechen, verlangen andere, auf die Hinrichtung zu verzichten.

Ein Sondertribunal in Bagdad hat am Sonntag den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein zum Tod durch Erhängen verurteilt. Er wurde der Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden.

Das Urteil spaltet die Presse weltweit. Die britische Tageszeitung „The Independent“schreibt: „Man muss um Saddam Hussein keine einzige Träne vergießen. Ohne jeden Zweifel ist er des Massenmordes schuldig. Wenn irgendein gestürzter Staatschef die Todesstrafe verdient, dann er. Selbst die entschiedensten Kritiker der Invasion und der Besetzung des Iraks müssen zugeben, dass die irakische Justiz das Recht hatte, ihm den Prozess zu machen - auch wenn ein internationales Gericht den Fall vermutlich besser geregelt hätte. Und, was das letztliche Urteil betrifft: Alles andere als ein Schuldspruch wäre eine Beleidigung gegenüber den unzähligen getöteten Kurden, Schiiten und anderen gewesen.“

Positiv wird das Urteil auch in Polen aufgenommen. In der liberalen Zeitung „Gazeta Wyborcza“ heißt es: „Der Irak richtete über den Diktator nach bestem Vermögen. Man kann dem Tribunal Fehler unterstellen, aber den Prozess und seine Rechtskräftigkeit muss man akzeptieren. Selbst wenn nur ein Zehntel der Vorwürfe zutrifft, verdiente Saddam die höchste im irakischen Gesetz vorgesehene Strafe. Das ist der Tod durch den Strang. Und wieder - werden europäische Standards angewendet - lässt sich dieses Urteil verurteilen. Die Verteidiger der Menschenrechte schreiben bereits Petitionen, um den Verurteilten zu retten. Es ist leicht, die Todesstrafe prinzipiell abzulehnen, wenn man in einem ruhigen und relativ rechtsstaatlichen Land in Europa im 21. Jahrhundert vor dem Fernseher sitzt. Leider ist Bagdad eine andere Welt und eine völlig andere Epoche.“

Die linke Budapester Tageszeitung „Nepszava“ lobt die „herausragende rechtsstaatliche Leistung“: „... Mag sein, dass das Niveau des Prozesses nicht an westliche Maßstäbe herankam. Doch unter den Verhältnissen dieses in den Bürgerkrieg schlitternden Landes stellt er eine herausragende rechtsstaatliche Leistung dar, auf die das irakische Volk stolz sein kann. Natürlich ist es kein Zufall, dass das Urteil gegen Saddam unmittelbar vor den US-Kongresswahlen gefällt wurde. Es wäre nicht der erste Mal in der demokratischen Welt, dass ein an sich herausragendes Ereignis auf zynische Weise von der Tagespolitik in Beschlag genommen würde. Das Ereignis selbst bleibt aber deshalb immer noch ein herausragendes.“

In Deutschland wird das Urteil skeptisch gesehen. Teilweise wird das Urteil gegen Saddam Hussein gegrüßt. Ein Ende der Gewaltspirale im Irak sehen die Kommentatoren allerdings übereinstimmend nicht.

Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (Essen) schreibt: "Ob man das Todesurteil gegen Saddam Hussein begrüßt oder verurteilt, mag jeder mit sich selbst ausmachen. Sicher ist, dass der Irak ein historisches Kapitel beendet hat. Hussein, der seinem Land so viel Leid und Schmerzen bereitete, wurde zur Rechenschaft gezogen. Das ist die gute Seite der Nachricht. Die schlechte: Das Urteil wird die Gewaltspirale nicht bremsen, die Gräben im Lande nicht überbrücken. Dies gelang schon nicht durch Husseins Festnahme oder die Tötung seiner beiden Söhne."

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