Presseschau
Die Welt spricht über das Handelsblatt-Cover

Selbstmord aus Furcht vor dem Tod? Die Titeloptik des Handelsblatts spitzt den Poker des griechischen Premiers Alexis Tsipras im Schuldendrama zu. Erpresst er die übrigen Euro-Länder? Hier die Reaktionen aus aller Welt.
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DüsseldorfAlexis Tsipras hält eine silbern glänzende Waffe an die eigene Schläfe, hebt dabei seinen Blick entschlossen nach oben. Betitelt ist die Titelseite der aktuellen Wochenend-Ausgabe des Handelsblatts mit den drastischen Worten: „Geld her – oder ich schieße!“

Doch auch ohne diese Zuspitzung wird deutlich, vor welche Wahl der griechische Ministerpräsident sein Volk und seine europäischen Kollegen stellt, wenn er den Verbleib seines Landes in der Euro-Gemeinschaft an seine selbstgewählten Kriterien knüpft.

International gibt es viele Reaktionen auf die heutige Titelseite – positive wie negative. So kommentiert etwa der spanische Wirtschaftsprofessor Juan Ramón Rallo, Vertreter der liberalen Österreichischen Schule, auf Twitter: „Es ist schwer, die Erpressung von Syriza besser zusammenzufassen.“

Kritischer klingt dagegen die Einschätzung von Matthias Daniel, dem Chefredakteur des Branchenmagazins „Journalist“: Ebenfalls auf Twitter urteilt er, „dieser Handelsblatt-Titel sollte wohl provozieren. Leider zeigt er nur die Einfältigkeit seiner Macher“ – eine Begründung schiebt er allerdings nicht hinterher.

Auch in griechischen Medien wurde das Cover heiß diskutiert. Das griechische TV-Netzwerk „Star Channel“ etwa findet den Titel „schockierend“. Auch andere Medien des Landes berichten darüber, halten sich aber mit Kommentierungen weitgehend zurück – wie das Online-News-Portal „Greek Money“, die Radiostation „Real“ oder die wöchentliche Anzeigen-Zeitschrift „Lifo“.

Lob gibt es dagegen von Kai Diekmann, dem Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, die in der Vergangenheit besonders kritisch über die griechische Regierung berichtet hat. Auf Twitter schreibt er zum aktuellen Handelsblatt-Cover: „Verdammt deutlich.“

Auch in Schweden nahm man den Titel zur Kenntnis. Jedenfalls twitterte der Manager der Stockholmer Swedbank, Robert Schönbeck, kurz nach der Veröffentlichung ein Bild des Covers mit den Worten: „Wie das ‚Handelsblatt‘ die Verhandlungstechniken der Griechen sieht.“

Auf der Facebook-Seite des Handelsblatts fallen die Reaktionen dagegen gemischt aus. So kommentiert ein User unter griechischem Namen: „Seid ihr es eigentlich nicht leid, so einen Mist zusammenzuschreiben?“ Worauf ein anderer antwortet: „Klar, dass man von einem Griechen keine objektive Sicht der Dinge erwarten kann.“ Ein weiterer schreibt mit Blick auf Tsipras: „Dann schieß doch! Ist das einzige, was ich dazu zu sagen habe.“

Morgen im Handelsblatt: Wie Alexis Tsipras die Geldgeber erpresst. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem Handelsblatt Digitalpass - jetzt 4 Wochen gratis testen: http://bit.ly/1tkuSx4 (jks)

Posted by Handelsblatt on Thursday, July 2, 2015
Kevin Knitterscheidt
Kevin Knitterscheidt
Handelsblatt / Volontär

Kommentare zu " Presseschau: Die Welt spricht über das Handelsblatt-Cover"

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  • Eine durchaus angemessene Reaktion auf das Benehmen der Beiden in den letzten Monaten. Ferner kam aus Griechenland viel Schlimmeres und es wird sie nicht unbedingt jucken - die Zwei gehen am Montag in Rente! Sollte man vielleicht schon Rückstellungen bilden für deren Pensionen, im Rahmen des dritten Hilfspakets.

  • Die Herren Tsipras und Varoufakis haben sich mit ihrem Verhalten permanent selbst karikiert. Wenn dieses Verhalten nun journalistisch etwas in Szene gesetzt wird, ist das nichts weiter als ein stilistisches Ausdrucksmittel des Redakteurs. Nach wie vor stellt Tsipras eine Bedingung nach der anderen auf, so dass man in Anbetracht der gegenwärtigen Lage nur resümieren kann, dass dieser linksradikale Parteivertreter den Ernst der Lage nicht einmal angemessen erfasst hat. Wenn Griechenland bis dato es mit den Milliarden von Hilfen immer noch nicht geschafft hat sich einigermaßen zu strukturieren, werden die nächsten hundert Milliarden auch nur im ewigen Schlund der Unorganisiertheit landen.
    Nicht umsonst hatte die Vertreterin des IWF den Herren infantiles Verhalten unterstellt, was in Anbetracht der gegenwärtigen Situation nach wie vor zutrifft.

  • Ich finde es Geschmacklos! Schon die Sendung Frontal 21 vom 22.07 2014 verwies auf die Verzweifelung der Griechen
    "Verzweifelte Griechen - Wie die Krise die Menschen in den Tod treibt"
    www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/34178014/1/data.pdf
    Da war von der jetzigen Regierung nióch keine Rede!

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