Presseschau
„Schlimmstes Fiasko seit Vietnam“

Fiasko, Debakel, Kardinalfehler: Vier Jahre nach dem Beginn der Irak-Invasion durch die Amerikaner fällen nationale und internationale Medien mehrheitlich vernichtende Urteile über die Politik von Präsident Bush. Dennoch müsse das Problem nun gelöst werden. Dabei werden Rufe nach Europa laut. Eine Presseschau.

Die Frankfurter Rundschau beleuchtet Bushs Irak Politik unter dem Aspekt des Terrorismus. Bushs radikales Vorgehen habe es Extremisten erleichtert, sich in der Opferrolle zu sehen: „Amerikas weltweite Kriegserklärung gegen alles, was für Terror gehalten wird, war der Kardinalfehler. So konnten sich Terroristen und ihre Unterstützer leichter als grundlos Angegriffene ausgeben. Dagegen kommen auch die Europäer mit ihrem differenzierteren Ansatz schwer an.“

Die Stuttgarter Zeitung beschäftigt sich mit den Ursachen und Konsequenzen des Irak-Debakels. Präsident Bush wirft sie vor allem vor, Fehleinschätzungen nicht einzusehen: „Der Krieg gegen Saddam Hussein wurde mit Lügen begründet. An die Nachkriegszeit hat man in Washington damals nicht gedacht. (…) Da Bush offensichtlich beratungsresistent ist und unfähig, Fehler zuzugeben und seinen Kurs zu korrigieren, wird er (…) sich zunehmend im Weißen Haus von der Realität abschotten.“

Ähnlich sehen das die Nürnberger Nachrichten. Den Verantwortlichen der USA gehe es derzeit nicht nur noch um die Rettung ihres angekratzes Images: „Die Alliierten haben sich in eine Sackgasse manövriert. Die politische Klasse in Amerika und Großbritannien, von einigen Hardlinern abgesehen, fragt nicht mehr, wie dieses Abenteuer erfolgreich zu bestehen sei. Ihr geht es vielmehr darum, wie man ohne Gesichtsverlust herauskommt.“

Auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung wertet Bushs aktuelle Irak-Politik nur noch als den Versuch, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen: „Die hochgesteckten Ziele der ersten Kriegsphase sind längst Geschichte. Heute geht es aus amerikanischer Sicht nicht mehr darum, einen demokratischen Musterstaat im Nahen Osten aufzubauen. Ziel ist nur noch, Bedingungen zu schaffen, die den Abzug der US-Truppen, notfalls auch unter Inkaufnahme bürgerkriegsähnlicher Gewalt im Irak, aber wenigstens ohne die Gefahr eines multinationalen Regionalkrieges, ermöglichen sollen.

Ein vernichtendes Urteil über Bushs Irak-Politik fällt auch die Thüringische Landeszeitung. Bush Invasion habe die Lage im Nahen Osten nicht verbessert, sondern eher verschlechtert: „ Die Bevölkerung im Irak hat jedes Vertrauen in die internationale Streitmacht verloren. Sicher: Die US-Soldaten und ihre Verbündeten haben das Land von einem blutrünstigen Diktator befreit. Aber sie haben den Irak nicht befriedet, sondern ins Chaos gestürzt. (...) Das bittere Fazit nach vier Jahren Krieg: Die Lage in der Region ist brisanter denn je - und das geht voll auf das Konto von George W. Bush.“

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