Presseschau zu Bush-Rede
„Dem Präsidenten gehen die Soldaten aus“

Warum lenkt George W. Bush ein und zieht einen Teil der Truppen aus dem Irak ab? Das fragt sich die internationale Presse in ersten Kommentaren zur Rede des US-Präsidenten. Die Washington Post vermutet, dass Bush selbst erschöpft ist, die Süddeutsche glaubt, dass Bush aus der Not eine Tugend macht.

» Newsday geißelt das „Ja-aber“ von Bush, das inzwischen zum Motto des gesamten Irak-Kriegs geworden sei: „Ja, 30 000 Soldaten können nächstes Jahr heimkehren. Aber 130 000 andere bleiben – unbefristet.“ Im Kommentar erinnert der Autor an den US-Senator George Aiken, der den Vietnam-Krieg dadurch beenden wollte, dass man den Sieg erklärt und nach Hause geht: „Mit der sanftesten Stimme, die ich habe, sprach ich erneut die Worte aus: ,Danke, Herr Präsident. Stolz, dass die Operation so gut gelungen ist. (...) Erklären Sie den Sieg ... und verschwinden Sie verdammt nochmal aus dem Irak!´“

Die » Washington Post wundert sich über die Kehrtwende von Bush, der ein Viertel der Truppen bis Mitte nächsten Jahres abziehen will. Bush habe sich während seiner Amtszeit häufig über die öffentliche Meinung hinweggesetzt, um angeblich die nationale Sicherheit nicht zu gefährden. „Ich vermute, dass Bush trotz seiner großen Pläne und Alpträume genauso erschöpft ist wie das Militär, und er weiß, dass er keine andere Wahl hat, als die Truppen zu entlasten.“

Für die » Los Angeles Times schreibt Herausgeber Andrew Malcolm, Bush habe sich mit seiner Rede keinen Gefallen getan. Durch die überzeugenden Auftritte von General David Petraeus und US-Botschafter Ryan Crocker im Kongress habe der Präsident die öffentliche Meinung in dieser Woche auf seiner Seite gehabt. Durch seine Rede habe er sich selber ohne Not wieder in die Schusslinie manövriert. „Eine Mehrheit der Amerikaner denkt mittlerweile, dass der Irak-Krieg ein Fehler war. Und wenn die letzten sieben Bush-Reden sie nicht vom Gegenteil überzeugt haben, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass eine weitere das Ruder herumreißt“, schreibt der Autor.

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