Presseschau zu Merkels EU-Auftritt
„Europa ist weiblich“

Europas Kommentatoren feiern die deutsche Kanzlerin: "Merkel sei Dank" hätten die EU-Regierungschefs auf ihrem Krisengipfel den Finanzstreit doch noch beilegen können. In den Niederlanden heißt es gar: „Was die Arbeitswelt schon lange wusste: Mit Frauen im Team wird das Resultat besser."

HB DÜSSELDORF. „Es war die Vermittlung der neu dazugekommenen Merkel, die den komplizierten finanzpolitischen Knoten gelöst und die französischen, britischen, polnischen, spanischen, deutschen und italienischen Positionen näher zusammengebracht hat“, schreibt die römische Zeitung „Il Messaggero“.

Die linksliberale Wiener Zeitung „Der Standard“ stellt Merkel in eine Reihe mit Altkanzler Helmut Kohl. „Die Union lebt. Und Europa ist weiblich. Quasi über Nacht hat sie eine Hoffnungsgestalt bekommen. Ihr Name: Angela Merkel.“ Wie sie „inmitten einer eitlen Männerrunde von Staats- und Regierungschefs den Kompromiss zum Budget ... durchsetzte, hat es zuletzt vor zehn Jahren gegeben. Damals war Helmut Kohl deutscher Kanzler. ..“.

Ähnlich sieht das auch die niederländische Zeitung „de Volkskrant“, die zudem betont, dass das Auftreten Merkels „allgemein als konstruktiv und erfrischend wahrgenommen“ worden sei. Anerkennung kommt auch aus Luxemburg, auch wenn dort der Seitenhieb an die Adresse von Tony Blair, den Kompromiss vor sechs Monaten unter der Präsidentschaft Luxemburgs verhindert zu haben, nicht ausbleibt. „...Damals blockierten die Briten und mit ihnen eine Hand voll anderer Staaten, denen die neue EU zu teuer ist“, schreibt das „Luxemburger Wort“. Europa brauche weniger Blair und mehr Merkel.

"Brückenbauer von Format"

Auch die „Basler Zeitung“ erkennt die Leistung von Merkel an. „Gut vorbereitet, sachlich, freundlich und ohne persönliche Eitelkeit und Pathos hat die Bundeskanzlerin gleich bei ihrem ersten Gipfel in Brüssel erreicht, dass der Budgetstreit mit einem Kompromiss gelöst werden konnte.“

Die niederländische Zeitung „Trouw“ schreibt, die EU habe „mit Merkel wieder einen Brückenbauer von Format in ihrem Haus“. "Das sind ausgezeichnete Nachrichten, denn die mühsamen Diskussionen der vergangenen Jahre über die Zukunft Europas haben gezeigt, dass die Union einen solchen Brückenbauer dringend braucht.“

Umfrage: Wie war Merkels Auftritt beim EU-Gipfel?

Angela Merkel hatte sich für eine Erhöhung des Gesamtvolumens des Haushalts der Jahre 2007 bis 2013 um 13,2 Milliarden Euro ausgesprochen. Mit 1,045 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) der EU lag diese Summe zwischen dem letzten britischen Kompromissvorschlag (1,03 Prozent) und dem im Juni gescheiterten Vorschlag der Luxemburger Präsidentschaft (1,06 Prozent). Merkels Obergrenze erwies sich als Basis des Kompromisses.

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