Presseschau zu Nordkorea
„Die Iraner werden sich die Hände reiben“

Der Atom-Kompromiss mit Nordkorea hat in der nationalen und internationeln Presse großen Widerhall ausgelöst. Hauptstreitpunkt unter den Journalisten: Hat Regime-Chef Kim Jong-Il durch die Zugeständnisse seine Position verbessert oder nicht? Für die einen hat Pjöngjong „gewonnen“. Andere sehen Nordkorea am Ende.

Schon was die Bedeutung der Fortschritte vom Dienstag angeht, herrscht in der Presse Uneinigkeit. So sieht etwa die Frankfurter Rundschau in den Verlautbarungen noch nicht den lang ersehnten Durchbruch im gespannten Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea: „Dafür waren die Gespräche zu schwierig, und dafür lässt die gemeinsame Erklärung zu viele Interpretationen offen. Vorerst geht es nur um Nordkoreas Plutoniumvorräte - das vermutete Uranprogramm bleibt unerwähnt. Unklar ist auch, wie genau sich die internationalen Inspekteure Nordkoreas Atomanlagen ansehen dürfen und wie rasch Washington politische Zugeständnisse machen muss.“

Auch die Neue Osnabrücker Zeitung rät zu Skepsis statt Jubel: „Solange der stalinistische Diktator Kim Jong-Il die Vereinbarungen der Sechs-Länder-Gespräche nicht umsetzt, bleibt die Einigung von Peking eine von vielen leeren Versprechungen, die aus Pjöngjang in den vergangenen zehn Jahren zu hören waren.“

Für andere Blätter war das Zuständnis Kims eine wichtige Weichenstellung für die weiteren Verhandlungen. Wer aber hat seine Verhandlungsposition dabei verbessert? Für die Basler Zeitung heißt der Sieger des Kompromisses Kim: „Nordkoreas Führer Kim Jong-Il hat hoch gepokert und, so wie es aussieht, gewonnen. Sein mächtigster Feind, US-Präsident George W. Bush, ist anscheinend bereit, ihn als ernsthaften Partner anzuerkennen. Auch über das Ende der Sanktionen, die Nordkorea von Krediten abschneiden, wollen die Amerikaner reden. Nun sind Nordkoreaner und Amerikaner wieder am Ausgangspunkt angelangt - mit einem Unterschied: Kim sitzt auf der Bombe. Er hat damit der Welt bewiesen, dass es sich lohnt, aus einer Position der Stärke mit den USA zu verhandeln. Die Iraner werden sich die Hände reiben.“

Auch die französische Tageszeitung Le Monde sieht einen Zusammenhang zwischen den Verhandlungen mit Nordkorea über dessen Atomprogramm und dem Iran: „Der nordkoreanische Präzedenzfall bringt zwiespältige Botschaften mit sich. Pjöngjang hat sich sein Atomprogramm nach einem mehr oder weniger gelungenen Nukleartest als eine Art Wechselwährung zu Nutze gemacht, um die gesuchte Anerkennung zu erhalten. Auch die Iraner streben nach einer Anerkennung ihrer regionalen Rolle, die ihnen zuzugestehen Washington nicht bereit ist. Wird man abwarten müssen, bis der Iran sich zur Atommacht erklärt, auf dass dann ein „großes Feilschen“ beginnt? Sollte jetzt die Spannung auf der koreanischen Halbinsel abnehmen, im Mittleren Osten steigt sie gefährlich an.“

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