Pressestimmen zu Putin
Auswüchse eines „Zar-ähnlichen Machtkults“

„Wer ist Wiktor Subkow?“ fragt sich die internationale Presse. Der wenig bekannte Finanzexperte, den der der russische Präsident Wladimir Putin als neuen Regierungschef nominiert hat, gibt den Kommentatoren Rätsel auf. Von einem „Ablenkungsmanöver“ und einer „Intrige“ ist die Rede. Andere vermuten eine ganz besondere Strategie.

Zur Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Regierungschef Michail Fradkow zu entlassen und den wenig bekannten Finanzexperten Wiktor Subkow als Nachfolger vorzuschlagen, schreibt die Moskauer Wirtschaftszeitung » „Wedomosti“ : „Nach der Entlassung der Regierung erwarteten viele Antworten auf mindestens zwei Fragen: Wird Präsident Wladimir Putin einen Nachfolger benennen und wenn ja, wen? Doch Putin überraschte einmal mehr alle mit seiner Personalentscheidung und ließ die Fragen unbeantwortet. (...)

Dank seiner hervorragenden Umfragewerte hat Putin eine Freiheit zu entscheiden, die im Grunde nur von zwei Faktoren begrenzt wird: den Interessen verschiedener Gruppen im Kreml und Putins eigener Strategie. Putin muss die politischen Kräfte so ausbalancieren, dass er auch nach seinem Abgang aus dem Kreml Einfluss behält. Außerdem muss er dabei Sabotageversuche verschiedener Machtgruppen verhindern. Die Ernennung Wiktor Subkows zum Regierungschef gibt Putin viel Raum für Manöver und erschwert es anderen, sein Handeln zu interpretieren.“

Auch der »  „Tages-Anzeiger“ aus Zürich kann sich aus der Nominierung keinen Reim machen: „Vielleicht ist der gestrige Schachzug auch nur ein Ablenkungsmanöver. Putin versucht, die Zügel möglichst lange in der Hand zu halten, und am Schluss wird einer seiner engen Alliierten Präsident, etwa Sergej Iwanow. Bürokraten-Premier Subkow bliebe in diesem Fall Befehlsempfänger, wie es sein Vorgänger Michail Fradkow schon war. Beide Szenarien schmecken bitter: Die Wähler kommen darin gar nicht vor, es sei denn als eine Herde Schafe, die ihrem Hirten zu folgen haben.“

Die Turiner Zeitung »  „La Stampa“ betont ebenfalls die bisherige Unbekanntheits Subkows. „In den Suchmaschinen des russischen Internets geht die letzte Erwähnung von Wiktor Subkow auf den vergangenen 21. März zurück (...). Wladimir Putin hat erneut seinen Ruf als Meister der Intrigen und Überraschungen bestätigt, indem er aus seinem magischen Zylinder ohne Boden einen Unbekannten hervorgezaubert hat, der seit gestern das zweithöchste Amt im Staat hat: Das des Regierungschefs, der laut Verfassung bereitstehen soll, um den Präsidenten, falls es notwendig wird, zu ersetzen. Die Entlassung der Regierung von Michail Fradkow hat eine politische Saison eingeläutet, die sich als sehr hitzig vorankündigt und deren Ende beim Urnengang im März 2008 – wenn ein neuer Staatschef gewählt wird – alles andere als voraussehbar erscheint.“

Durch die Berufung Subkovs in das Amt des weitgehend machtlosen Premierministers lasse Putin absichtlich die Schlüsselfrage offen, wer ihm bei den Präsidentenwahlen im kommenden März nachfolgen solle, schreibt die »  „Londoner Times“ . Der Präsident wolle einen schleichenden Übergang der Macht auf seinen designierten Nachfolger, den stellvertretenden Ministerpräsidenten Sergej Ivanov verhindern. „Putin scheint Ivanov und dem anderen Hauptanwärter auf die Präsidentschaft, Dimiti Medvedev, klarmachen zu wollen, dass er im Kreml immer noch die Zügel in der Hand hält.“

Der »  „Boston Globe“ sieht in Putins Premier-Tausch die Auswüchse eines „Zar-ähnlichen Machtkults“, nach dem Motto: „Wir können jeden ernennen, den wir möchten, und auf jeden verzichten, denn die Untertanen haben keine andere Wahl, als unseren Launen zu applaudieren.“ Jedes Mal, wenn dieses Ritual der „putinesken Ermächtigung und des öffentlichen Gehorsams“ wiederholt werde, würden die Reflexe aus Befehl und Unterwerfung tiefer im politischen Körper Russlands verankert.

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