Pressestimmen zur Frankreich-Wahl
„Blankoscheck für Sarkozy“

Die Partei von Präsident Nicolas Sarkozy ist aus der ersten Runde der französischen Parlamentswahl als klarer Sieger hervorgegangen. Wie französische und andere europäische Zeitungen den Erfolg der Konservativen kommentieren - eine Presseschau.

Der konservative Pariser "Figaro" meint, dass die Wähler einen schnellen Politiwechsel wollen.

"Wenn es eine Lustlosigkeit gibt, dann bei den Wählern der Linken (...). Und wenn jemand entmutigt ist, dann die Wähler der kleinen Parteien, des Zentrums und der Extremen, die sich darüber klar geworden sind, wie wenig es in einem bipolaren Frankreich nützt, am Rande zu spielen. (...) Nun ist es ganz deutlich zu sehen: Die Franzosen wollen einen Wandel, und sie wollen, dass dieser schnell kommt. Sie wollen weder eine Koalition noch ein Tauziehen. In der Tat wurde selten ein Reformprojekt so gut vorbereitet. Selten ist eine Mannschaft mit einer solchen Liste von Maßnahmen und praktisch fertigen Entwürfen an die Macht gelangt.(...) Alles ist also bereit für die Aktion."

Der italienische "Corriere della Sera“ hält den Sieg der Konservativen für maßlos:

„Der Sieg der Rechten bei der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen ist erdrückend und zudem noch größer ausgefallen, als in den Umfragen vorausgesagt. (...) Eine der Ursachen für diesen Ausgang ist die sehr geringe Wahlbeteiligung, die die Linke bestraft hat. Der Erfolg Sarkozys bei den Präsidentenwahlen hat in weiten Teilen der französischen Gesellschaft ein Gefühl einer nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung ausgelöst. In der Tat ist die Parlamentswahl zu einer Art von Ratifizierung des Ergebnisses der Präsidentenwahl geworden, statt dass sie als ein entscheidendes Ereignis in der politischen Auseinandersetzung betrachtet wurde."

Die linksliberale französische Zeitung „Libération“ hält das Wahlergebnis für ein vernichtendes Urteil über die Chirac-Regierung:

„Die gestrige Wahl war auch eine schreckliche Verurteilung der letzten Regierung, der doch der neue Präsident Nicolas Sarkozy angehörte. Die gesamte Rechte findet keine ausreichend harten Worte, um die „Bewegungslosigkeit“ zu verurteilen, aus der wir angeblich gerade hervorgehen. Armer Jacques Chirac: Er dient seinen zum neuen Meister übergelaufenen alten Freunden als Fußabtreter. Von seinem Erbe wird zweifellos nichts bleiben. Wo Sarkozy hintritt, wächst das Gras Chiracs nicht mehr.“

Die Schweizer „Basler Zeitung“ meint, die Wähler hätten Sarkozy einen Blankoscheck ausgestellt:

„Der politische Horizont ist für Frankreichs neue Staatsführung so wolkenlos blau wie die Parteicouleur der Wahlsieger. Die Stimmbürger waren konsequent, sie bestätigten gestern ihr Votum bei den Präsidentschaftswahlen. Das wahre Ausmaß des Triumphs wird erst in einer Woche sichtbar, wenn nach den Stichwahlen die definitive Sitzverteilung bekannt ist. Der gestrige erste Durchgang der französischen Parlamentswahlen lässt bereits den Schluss zu, dass die Wähler ihrem neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seiner Regierung nicht nur eine klare Mehrheit geben, sondern ihm praktisch einen Blankoscheck für seine Reformpolitik ausstellen.“

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