Privatbank warnt

Die Angst vor dem Grexit

Wie gefährlich ist der „Grexit“? Die Privatbank Metzler warnt davor, einer „geordneten Pleite“ Griechenlands zu gelassen entgegenzublicken. Das Szenario sei wie ein Kopfsprung in ein unbekanntes Gewässer.
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Die Privatbank Metzler warnt davor, die Folgen eines möglichen „Grexit“ zu unterschätzen. Quelle: dpa
Finanzkrise in Griechenland

Die Privatbank Metzler warnt davor, die Folgen eines möglichen „Grexit“ zu unterschätzen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Privatbank Metzler verfolgt die Debatte über eine „geordnete“ Pleite Griechenlands und ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone („Grexit“) mit großer Skepsis. Metzler-Partner Michael Klaus verglich dieses Szenario am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Frankfurt mit einem Kopfsprung in unbekannte Gewässer, der böse ausgehen könne. Die Konsequenzen seien nicht vorhersehbar.

Die Gelassenheit an den Märkten überrasche ihn. Griechenland verhandelt seit Monaten ohne Durchbruch mit den internationalen Geldgebern über dringend benötigte Kredite. Die Metzler-Bank selbst habe aber keinen Grund zur Sorge, betonte Klaus. „Wir haben kein Griechenland-Exposure.“

Kerngeschäft von Metzler ist die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden und institutionelle Anleger, die stark auf Aktien setzen. Hier sieht die Bank trotz der jüngsten Rallye noch keine Überhitzung, wie Emmerich Müller betonte, der die Leitung des operativen Geschäfts von Patriarch Friedrich von Metzler übernommen hat. Bei Anleihen und Immobilien, zumindest in ausgewählten Regionen, sehe das schon anders aus.

Die Folgen eines Grexits
Frappé bald unbezahlbar?
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Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro.

Drückender Schuldenberg
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Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar.

Angespannte soziale Lage
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Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten.

Gerüchteküche brodelt
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Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken.

Die Vorteile der Drachme für Griechenland
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Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren.

Reiche Griechen kommen überwiegend davon
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Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe.

Alexis Tsipras
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Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht.

Wie viele Kundengelder im abgelaufenen Geschäftsjahr neu eingesammelt wurden, veröffentlicht das verschwiegene Traditionshaus nicht, auch keinen aussagekräftigen Gewinn. Die Eigner bekommen für 2014 erneut eine Dividende von 2,3 Millionen Euro. Metzler macht sich zudem weiter Hoffnung auf Schadenersatz von der Deutschen Bank im Zinsskandal.

Eine zu Metzler gehörende Kapitalanlagegesellschaft hatte sich 2012 in New York an Sammelklagen gegen das Geldhaus und andere Banken beteiligt, die der Manipulation des Referenzzinses Libor bezichtigt wurden. Wegen nachweislicher Tricksereien wurde die Deutsche Bank von den angelsächsischen Regulierern inzwischen zu einer Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. Metzler betonte, die Klagen seien davon unberührt, die Verfahren liefen. Wann es ein Urteil gebe, lasse sich derzeit nicht abschätzen.

  • rtr
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2 Kommentare zu "Privatbank warnt: Die Angst vor dem Grexit"

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  • Die Sorge ist so groß aber auch nicht größer als zuvor.

    Die mit dem Problem betrauten sogenannten Fachleute haben hunderte von Milliarden Euros bereits in den Sand gesetzt. Ein weiter so kann es nicht geben. Spätestens jetzt muss klar sein, dass auf der politischen Ebene kein Plan, also auch kein Plan B existiert. Noch schlimmer! Sie haben sich nach hinten gelehnt und die EZB machen lassen.

    Auch dort hat man nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet.

    Aber es gibt Jobs, die können nicht nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt werden. Zuweilen ist Fachwissen gefragt.

    Man wird nicht von der Hand weisen können, dass sich in den politischen Ämtern wie auch in der EZB nicht das notwendige Fachwissen für die vorhandenen Problemlösungen vorhanden ist. Hunderte von Milliarden Euros an Steuergeld ist zuviel um es in dunkle Kanäle zu pumpen.

    Jetzt noch einmal Geld nachzuschießen, um die bereits nutzlos vergeudeten Milliarden zu retten, wäre der falsches Schritt mit diesen Akteuren. Sie sind allesamt auszutauschen und durch fähige Personen zu ersetzen. Parteimitglied zu sein und dies als Qualifikationsmerkmal anzusetzen ist wohl die unqualivizierteste Messlatte, die man nur anlegen kann.

    Auch dafür hat Frau Merkel geradezustehen.

  • Um was geht es in diesem Metzler Kommentar?
    Um den möglichen Grexit oder um Reklame für die Metzler Bank und ihr Geschäftsmodell. Thema verfehlt, setzen, 6!

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