Private Anti-Terror-Website
Die Dokumentare des Grauens

Sie durchforsten islamistische Foren, suchen mit Tarnnamen nach Hinweisen auf Anschläge und gehen auf Jagd nach Drohvideos: „Site“ veröffentlicht viele der IS-Botschaften als erste. Wer und was steckt hinter der Firma?
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DüsseldorfSie zeigten das Video vor allen anderen: Der Film, der die Enthauptung des entführten Franzosen Hervé Gourdel in Algerien zeigt, war zuerst auf der Seite der Gruppe „Search for International Terrorist Entities“ („Site“) zu sehen. Alle Medien beriefen sich auf die Website, als sie von der Enthauptung berichteten.

Auch im Fall des vor einigen Wochen durch Islamisten getöteten US-Journalisten Steven Steven Sotloff zeigte „Site“ das grausame Material zuerst. Angeblich waren sogar die Dschihadisten selbst überrascht, dass ihr Material schon weltweit auf Sendung war, als es eigentlich noch in internen Kreisen kursieren sollte. Bei den Informationen über Drohungen gegen deutsche Geiseln auf den Philippinen war die Website ebenfalls vorn mit dabei. Doch wer steckt hinter „Site“ und was sind die Ziele der kommerziell arbeitenden Recherchegruppe?

„Site“ selbst möchte auf Handelsblatt Online-Anfrage darauf zunächst keine Antworten geben, doch über das Unternehmen ist bekannt, dass es in der Form seit 2008 agiert. Die Organisation, bei der laut eigenen Angaben mehrere Sprachspezialisten mit langjähriger Erfahrung im Bereich des islamistischen Terrorismus arbeiten, ging aus der Search for International Terrorist Entities Institute Gruppe hervor, die ab 2002 Online-Aktivitäten von terroristischen Gruppen überwachte.

Die Rechercheure screenen unter Tarnnamen islamistische Foren und beobachten Seiten, auf denen potenziell Videomaterial von Terroristen gepostet wird. Damit wollen sie auf Anschläge hinweisen und die Gefahr des Terrorismus sichtbar machen. Gründerin ist die gebürtige Irakerin Rita Katz, die vor dem Start von „Site“ schon das US-Heimatschutzministerium und verschiedene Geheimdienste beriet.

Katz absolvierte ein Studienprogramm über die Kulturen und Politischen Strukturen des Mittleren Ostens in Tel Aviv und spricht nach eigenen Angaben sowohl Hebräisch als auch Arabisch fließend. 2004 erhielt sie laut „Site“ eine Würdigung der Bundespolizei FBI für „außergewöhnliche Unterstützung des FBI im Zusammenhang mit laufenden Recherchen“. Unabhängige Dokumente dieser Würdigung gibt es im Netz nicht, allerdings zitiert der ”New Yorker“ in einem Porträt über Katz einen FBI-Beamten mit den Worten, Katz und ihr Team hätten „einen unschätzbar wertvollen zusätzlichen Beitrag zu unseren Ermittlungen“ geleistet.

Kommentare zu " Private Anti-Terror-Website: Die Dokumentare des Grauens"

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  • Ein elementares Kontra-Argument vermisse ich: Private Unternehmen arbeiten immer gewinnorientiert. D.h., bei Mangel an "Ware", wenn es um das Überleben des Unternehmens geht, entsteht dann sicher neue "Ware" durch das Unternehmen selbst, so als Arbeitsbeschaffungsmassnahme. Fälschungen und Manipulationsversuche sind die Folge. Konnte man im Fall Ukraine gut beobachten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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