Private Initiative und Modernisierungen fehlen
Mittlerer Osten verliert den Anschluss

Die Öleinnahmen haben in den vergangenen beiden Jahren einen beträchtlichen Wachstumsschub im Mittleren Osten und Nordafrika (Mena) ausgelöst. Doch sie haben Strukturreformen nicht beflügelt. Nach einer Untersuchung der Weltbank stieg der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt seit 2003 durchschnittlich um 2 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent. Zugleich aber droht die Region den Anschluss an andere Wirtschaftsregionen zu verlieren, weil sie keinen Fortschritt bei der Produktivität zuwege bringt.

HB AMMAN. Der Wohlstandszuwachs in der Mena-Region ist sehr ungleich verteilt. 97 Prozent des Wachstums geht auf die Aktivitäten in nur vier Ländern zurück: in Saudi-Arabien, Iran, Algerien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Die Einnahmen aus den dramatisch gestiegenen Ölpreisen haben örtlich einen Boom im Immobilienmarkt und an den Börsen ausgelöst“, sagt Mustapha Nabli, Chefökonom der Weltbank für den Mittleren Osten. Doch etliche Länder ohne Ölquellen profitieren von dem Ölboom überhaupt nicht. Hier bleibt das Wachstum hinter dem Durchschnitt zurück.

Am Persischen Golf ist neben dem Segen auch der Fluch des Öls zu spüren. „Die ungeheure Liquidität hat zu irrationalen Übertreibungen an den Aktienmärkten geführt“, warnt Sameer Al Ansari, Chef der Investmentgesellschaft Dubai International Capital, in Jordanien beim Weltwirtschaftsforum. An den Börsen der Emirate werden Neuemissionen derzeit regelmäßig dramatisch überzeichnet. So wollte ein Unternehmen in Abu Dhabi in diesem Jahr 135 Mill. Dollar aufnehmen und erhielt Angebote über 107 Mrd. Dollar. „Hier zeichnet sich eine gefährliche Entwicklung ab, die in Tränen enden kann“, warnt Al Ansari. „Wir müssen uns von der Gier wieder zurück zur Realität bewegen.“

Und die sieht in der arabischen Welt trotz des Ölbooms nicht überall rosig aus. In den nächsten Jahren müssen 100 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, um die auf den Markt drängende Jugend mit neuen Jobs zu versorgen. Und zwar rechtzeitig, bevor der Ölboom wieder versiegt. Die Weltbank rechnet für 2005 und 2006 mit einem Rückgang der Ölpreise auf ein durchschnittliches Niveau von 36 Dollar pro Barrel. Das reicht laut Nabli für Wachstumsraten von 4,3 bis 4,9 Prozent in 2005 und 2006. Um die benötigten Arbeitsplätze zu schaffen sind jedoch mindesten 6 bis 7 Prozent Wachstum über einen längeren Zeitraum nötig.

Seite 1:

Mittlerer Osten verliert den Anschluss

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%