Privaten Aktienbesitz verschwiegen
Grasser ist nicht mehr glaubwürdig

Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser, einstiger "Sonnyboy" der Regierung, stand ohnehin schon wegen zahlreicher Affären unter Druck. Jetzt könnte er über seine eigenen „Rechenfehler“ stolpern.

HB WIEN. Die Opposition will in der nächsten Woche den Rücktritt des stets jugendlich-cool gestylten 34-Jährigen im Nationalrat (Parlament) erzwingen. Selbst die Freiheitliche Partei (FPÖ) - als Juniorpartner in der Regierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssels Volkspartei (ÖVP) - will ihren einstigen Parteifreund und heutiges ÖVP-Aushängeschild abservieren. Wegen privater Aktiengeschäfte ist Grasser erneut ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Grasser musste am Wochenende Stück für Stück zugeben, dass er dem „Unvereinbarkeitsausschuss“ des Parlaments privaten Aktienbesitz von knapp 130 000 Euro verschwiegen hatte. Zudem wurden in der Republik die Rechenkunststücke des einstigen „Sonnyboys“ der Regierung belächelt. Er habe an dem Unternehmen Y-Line nur 0,000015 Prozent der Anteile besessen, ließ Grasser seinen Besitz kleinreden. Wenig später musste er einräumen, es waren doch 0,015 Prozent. In einer Presseerklärung musste die Währung berichtigt werden: Statt Schilling hätten Euro angegeben werden müssen.

„Mit Rechenfehlern im Ausmaß von drei Stellen hinter dem Komma macht sich ein Finanzminister tödlich lächerlich“, kritisierte die Zeitung „Der Standard“ am Dienstag. „Ein Minister, der sich nicht an Gesetze hält, ist untragbar“, fuhren die „Salzburger Nachrichten“ am selben Tag schwereres Geschütz auf. „Es wird eng für den Finanzminister“, analysierte selbst die konservative Zeitung „Die Presse“ und berichtete über einen Verdacht auf Insiderhandel. Grasser habe Teile seiner Aktien entgegen den Ratschlägen der Finanzmarktexperten verkauft. Möglicherweise habe er gewusst, dass das Unternehmen kurz darauf in die Pleite rutschte. Grasser wies diesen Verdacht nachdrücklich zurück.

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