Privatisierung
Russen greifen nach griechischen Gasfirmen

Gazprom und Sintez wollen ihre Macht auf dem griechischen Gasmarkt ausweiten und zwei Gasunternehmen übernehmen. Doch schon werden Stimmen laut, Athen könnte zur russischen „Geisel“ werden.
  • 15

Athen/MoskauGriechenland macht Tempo bei den lange vernachlässigten Privatisierungen: Der Verkauf des Gasversorgers Depa und des Netzbetreibers Desfa geht jetzt in die Schlussphase. Bis März erwartet die Regierung bindende Angebote. Unter den fünf Interessenten, die jetzt in die Endrunde gehen, sind zwei russische Konzerne. Russland, ohnehin der größte Gaslieferant Griechenlands, könnte damit dominierenden Einfluss auf den Energiesektor des Nato-Landes gewinnen – ein heikles Politikum, das in Washington und bei der EU Besorgnis weckt. Die griechische Privatisierungsbehörde Taiped sucht deshalb nach Wegen, westeuropäische Energiekonzerne doch noch für die beiden Gasfirmen zu interessieren.

Der Staatskonzern Gazprom und die russische Sintez-Gruppe gelten bisher als Favoriten für die Übernahme der griechischen Gasunternehmen. Sie haben die höchsten nicht bindenden Gebote abgegeben. Nach Informationen aus griechischen Finanzkreisen will Gazprom 900 Millionen Euro für den Versorger Depa lockermachen. Sogar 1,8 Milliarden Euro soll die russische Sintez-Gruppe, die sich über ihre Tochter Negusneft an der Ausschreibung beteiligt, für die Depa und deren 100-prozentige Tochter Desfa geboten haben.

„Wir haben ein nicht bindendes Angebot für 100 Prozent der Depa-Anteile unterbreitet“, bestätigte Gazprom dem Handelsblatt, ohne auf die Höhe des Gebots einzugehen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Gazprom-Chef Alexander Medwedjew Interesse an der Akquisition bekundet. Den Netzbetreiber Desfa, eine 100-prozentige Tochter der Depa, wolle man allerdings nicht übernehmen, weil die EU-Richtlinien eine eigentumsrechtliche Entflechtung von Energieversorgung und Netzbetrieb vorsehen, erklärte Gazprom auf Anfrage. Drei weitere Gebote griechischer Konsortien und der staatlichen aserbaidschanischen Gasgesellschaft Socar liegen nach Angaben von Insidern deutlich niedriger als die russischen Offerten.

Der griechische Gasmarkt ist zwar klein. Seine eigentliche Bedeutung liegt aber in der Rolle, die das Land dank vermuteter Gasvorkommen vor seinen Küsten und geplanter neuer Pipelines künftig für die Gasversorgung Europas bekommen könnte. Seit dem vergangenen Sommer verhandeln Griechenland, Zypern und Israel außerdem darüber, wie man gemeinsam Erdgas von den vermuteten Lagerstätten im südöstlichen Mittelmeer nach Westeuropa transportieren kann. Die Sintez-Gruppe unterstrich vergangene Woche noch einmal ihr „starkes Interesse“ an den beiden griechischen Gasfirmen. Sein Unternehmen wolle Griechenland „zum Gas-Transportzentrum Europas machen“, kündigte Sintez-CEO Andrej Korolew an.

Kommentare zu " Privatisierung: Russen greifen nach griechischen Gasfirmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die EU Kommision kann doch aus Gründen der Wettbewerbseinschränkung (Monopolbildung)den Verkauf ablehnen, ist doch schon oft passiert wenn 2 Konzerne fusionieren wollen.(machtbeherschende Stellung)

  • @Gurkenmurkser
    Mich würde auch interessieren, was Sie genau damit meinen?

    Das Problem zwischen Griechenland und der Türkei im Bezug auf das Erdgas in der Ägäis ist ja nichts neues...Schnee von gestern!
    Das sich jetzt auch die Russen da einmischen war doch klar!

    Was der Ausgang sein wird ist jedoch fraglich...
    Einerseits finde ich es gut, dass es noch Länder und Regierungen gibt,die in Griechenland investieren wollen, andererseits ist ein Krieg im Balkan schon vorprogramiert!

    Das griechische Volk ist im Moment eine tickende Zeitbombe, große Enttäuschung, Armut und Wut herrscht in Griechenland nicht unbedingt gegenüber Europa sondern eher gegen die eigene Regierung und dabei ist egal ob blau, grün oder rot. Die sind alle gleich! Hauptsache deren Bäuche sind voll und wie es dem Volk ist scheiß egal!!!!
    Familien hungern, Arbeitnehmer werden seit Monaten nicht bezahlt und beschweren dürfen die sich noch nicht einmal, sonst verlieren die noch ihren Job, Schulen werden nicht beheizt, Kinder fallen in der Schule in Ohnmacht weil sie seit Tagen nichts gegessen haben und die Suizidrate steigt rapide an.

    Diese Mischung ist eine super Basis für jegliche Hetzerei, die zu großen Unruhen und Krieg führen kann.

    Sehr wahrscheinlich wird es auch nicht bei einem Balkankrieg bleiben, denn auch die Chinesen sind an dem Erdgas ineterssiert und der Iran + Irak liebäugeln auch schon!!!!

    Am Ende wird es dann denen schlecht gehen, denen es ohnehin schon schlecht geht, nämlich dem einfachen Volk und hier spielt es keine Rolle welcher Nationalität man angehört.

  • @Gurkenmurkser

    Können Sie das etwas präzisieren?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%