Privatisierungsstopp und Abwertungen veranlassen Ausländer zum Rückzug
Lateinamerika verliert Investoren

Lateinamerika war 2003 die einzige Weltregion, in der die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) rückläufig waren. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal), einer UN-Institution mit Sitz in Santiago/Chile. Danach flossen 2003 nur 36,5 Mrd. US-Dollar in die Region – rund ein Fünftel weniger als 2002 und nicht einmal die Hälfte der Rekordsumme von 88 Mrd. Dollar im Jahr 1999.

BUENOS AIRES/SAO PAULO. Die größten Rückgänge verzeichneten Mexiko und Brasilien. Gleichzeitig erhielt Mexiko mit 10,7 Mrd. Dollar aber noch immer die meisten Direktinvestitionen in der Region – das Handelsbündnis Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay) inbegriffen. Der Mercosur verzeichnete den stärksten Rückgang, insbesondere bei Dienstleistungen. Dieser Sektor absorbierte in den 90er-Jahren den Löwenanteil der Engagements – vor allem Konzerne aus Spanien, aber auch Unternehmen aus Portugal, Italien, den Niederlanden und aus Großbritannien investierten in Telekommunikation, Energie und Banken.

Das Ende des Privatisierungsprozesses und die massive Währungsabwertung im Verlauf diverser Krisen führten zu einem Rückzug der Investoren, besonders aus Brasilien und Argentinien. Die meisten ausländisch kontrollierten Dienstleistungsunternehmen haben hohe Schulden in Euro oder Dollar, die sie mit den Einnahmen in den abgewerteten Landeswährungen nicht zurückzahlen können. „Gleichzeitig brachten die Krisen auch Schwachstellen in der Regulierung des privatisierten Versorgungswesens zu Tage, welche die Situation der Unternehmen noch schwieriger machten“, stellt der Cepal-Bericht fest. Letzteres trifft vor allem auf Argentinien und Brasilien, aber auch auf Peru und Bolivien zu.

Einige Unternehmen zogen sich mittlerweile völlig aus der Region zurück. Teilweise übernahmen lokale Unternehmen die Aktiva, wie etwa im Bankensektor Brasiliens, wo die spanische BBVA ihre Investitionen an den brasilianischen Bradesco verkaufte. In Chile bauten nach dem Rückzug des niederländischen Konzerns Ahold lokale Einzelhändler ihren Marktanteil aus.

Brasilien verzeichnete 2003 Direktinvestitionen von 10 Mrd. Dollar – 39 % weniger als 2002 und nur knapp die Hälfte des Durchschnittswerts der Boomjahre 1995 bis 1999. Einerseits liegt das an den Sorgen der Investoren, die von Arbeiterführer Luis Inácio Lula da Silva als Regierungschef einen wirtschaftsfeindlichen Kurs erwartet hatten. Andererseits hat die Lula-Regierung die Zurückhaltung der Auslandsinvestoren selbst verschuldet: Im Energiesektor etwa verzögerte sie die neue Rahmengesetzgebung immer wieder – die Unternehmen stellten deshalb ihre Investitionen vorerst ein.

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