Pro
Es gibt ohnehin keine Alternative

Die Eurobonds werden so oder so kommen, obwohl gemeinsame Schulden den Sparanreiz zunichte machen. Daher muss Deutschland auf harte Bedingungen drängen, wenn es seine Bonität hergibt - sonst gnade uns Gott.
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Auch die jetzige Verschuldungskrise muss man, frei nach einem Lieblingsmotto von Angela Merkel, vom Ende her denken. Schaut man sich ähnliche Verwerfungen der Vergangenheit an (zum Beispiel die Spekulationswelle gegen das britische Pfund Anfang der neunziger Jahre), dann dämmert schnell: Große Währungskrisen enden immer mit einer schlagartigen Kapitulation - entweder der beteiligten Staaten oder der Spekulanten.

Im Kern geht es bei den jetzigen Problemen in der Euro-Zone um einen Käuferstreik: Niemand will mehr Staatsanleihen aus den überschuldeten Südländern der Gemeinschaft kaufen, solange die Risiken eines teilweisen Kapitalverlusts (zum Beispiel durch den berühmten Hair-Cut) lauern. Erst wenn die Staatsanleihen dieser Länder wieder als sichere Anlageform gelten, kommen die privaten Investoren in ausreichender Zahl zurück. Sonst kann die Europäische Zentralbank (EZB) ad infinitum griechische oder italienische Papiere kaufen - oder der Rettungsfonds muss endlos retten.

Da die schnelle finanzielle Gesundung von Ländern wie Griechenland pure Illusion bleibt, gibt es ganz am Ende wahrscheinlich doch nur eine Option: die Einführung von Eurobonds. Anders als viele SPD-Politiker und Grüne halte ich das allerdings nicht für eine wünschenswerte, sondern lediglich für eine unvermeidliche Entwicklung. Denn mit der Einführung von Eurobonds potenziert sich die Gefahr einer vollständigen finanziellen Verluderung in den PIIGS-Staaten.

Der Fachmund nennt es "moral hazard". Wenn die stärksten Anreize für haushaltspolitische Disziplin wegfallen, müssen auf jeden Fall andere Mechanismen an ihre Stelle treten. Sonst Gnade uns Gott. Wünschenswert wäre ein Verzicht auf Eurobonds - aber als Realist muss man davon ausgehen, dass wir sie am Ende so oder so bekommen werden. Deshalb hilft es nicht, dieses Instrument politisch prinzipiell zu verdammen, wie es beispielsweise Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler tut. Viel sinnvoller wäre eine Diskussion darüber, welche Bedingungen für die Einführung von Eurobonds vorhanden sein müssen - und wie sie konkret ausgestaltet sein sollten.

Drei Punkte scheinen dabei essenziell:

1. Alle Länder der Euro-Zone müssten in ihre Verfassungen wirksame "Schuldenbremsen" aufnehmen, die nur mit Zweidrittelmehrheit wieder gekippt werden könnten.

2. Die Sanktionsmöglichkeiten des europäischen Stabilitätspakts gilt es, massiv zu verschärfen und zu automatisieren.

3. Mangelnde Haushaltsdisziplin muss bestraft werden - zum Beispiel, indem sich abhängig von bestimmten Kennzahlen automatisch der nominale Zins erhöht.

Wim Boonstra, Chefökonom der holländischen Rabobank, brachte es in einem Leserbrief an die "Financial Times" auf den Punkt: Die Eurobonds müssen so ausgestaltet sein, dass auch die stärkeren Mitgliedsländer von ihrer Einführung profitieren.

Bernd Ziesemer ist Publizist und war lange Jahre Chefredakteur des Handelsblatts. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

Kommentare zu " Pro: Es gibt ohnehin keine Alternative"

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  • Herr Ziesemer, hatten Sie nicht gerade in Ihrem Artikel gesagt, dass etliche Euroländer-Regierungen, wie Frankreich, automatische Sanktionen für Defizitsünder bereits abgelehnt haben?. Sie denken doch wohl nicht ernsthaft, dass sich das ändern wird? Ich gehe davon aus, dass nach und nach sämtliche EU-Länder unter den „Rettungsschirm“ kriechen werden. Wir werden bis zum Schluss und dem totalen Zusammenbruch dafür zahlen. So soll es auch sein!- Dann liegt ganz Eurpa am Boden. Haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, was danach passiert?- Machen Sie es!- Viele Grüße an die „Neue Weltordnung“!- Raten Sie einmal von wem die kommt!

  • Griechenland hätte nie in den Euro gedurft. Auch Italien nicht. Die Fehler der damaligen und heutigen Entscheidungsträger (z.T. noch im Amt) sollen die Steuerzahler bezahlen. Kein Deutscher durfte abstimmen, ob manden Euro wollte, ob I o0der Gr dabei sind. Die Verantwortungsträger, voran Juncker, der seit 2002 der Eurogruppenchef ist, schreien hysterisch nach Eurobonds, um ihr verblendetes Fehlkonstrukt zu retten, zu Lasten der Bürger. Und meinen, jetzt zu wissen, was richtig ist. Für deren Arroganz müssen nachfolgende Generationen bluten.

  • Was soll diese leere PHrase ."Die Eurobonds müssen so ausgestaltet sein, dass auch die stärkeren Mitgliedsländer von ihrer Einführung profitieren." Wo bleiben die konkreten Beispiele, wie überhaut stärkere Mitgliedsländer profitieren könnten.
    Nennen Sie Zinssteigerungskosten und Haftung ausgedehnt auf nächste generationen "profitieren"?
    Alle anderen Punkte : Träumereien. Als ob die PIIGS nicht schwuppdiewupp eine 2/3 Mehrheit zaubern können.
    Man soll die Geschwindigkeit nicht unterschätzen: Im Fordern der eurobonds sind die PIIGS blitzschnell, im Planen von Sparpaketen auch, aber die große Umsetzung wird in die Zukunft, oder nach Präsidentschaftsahlen verschoben.
    Außerdem: was passiert bei einer weltweiten Rezession? Da können die PIIGS nichts einhalten. Die Pros sind nicht überzeugend. Lieber den Euro dahin verfrachten wo er hingehört: In die Geschichte der Währungen.
    Auf Dauer ist es für D billiger auszusteigen, als über Jahre höhere Zinskosten zu tragen. Wieso sollen deutsche Steuerzahler andere Staatens Schulden übernehmen? Oder ist die EU ein Bundesstaat geworden?

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