Pro-westlich Fraktion gewinnt
Hisbollah wohl Verlierer der Libanon-Wahl

Die pro-westliche Fraktion um den Sunniten Saad Hariri hat nach eigenen Angaben die Parlamentswahl im Libanon gewonnen. Laut Innenministerium vom Sonntagabend in Beirut unterlag die vom Iran und Syrien unterstützte Allianz unter Führung der schiitischen Hisbollah.

HB BEIRUT. Ein Hariri-Vertrauter sagte der Agentur dpa, seine Gruppierung habe mindestens 70 der insgesamt 128 Parlamentssitze erobert. „Die Mehrheit ist wieder an der Regierung“, sagte er. Saad Hariri meinte: „Diese Wahlen haben keinen Gewinner oder Verlierer, weil der einzige Gewinner die Demokratie ist und der größte Gewinner ist der Libanon.“ Christen-Führer Samir Geagea betonte: „Dies ist ein Sieg für den Libanon, die libanesische Regierung und das libanesische Volk.“ In Beirut feierten die Anhänger der Wahlsieger mit Tänzen auf den Straßen und Autocorsos.

Eine der Hisbollah nahestehende Person gestand die Niederlage seiner Gruppierung ein und erklärte, sie wollten das Wahlergebnis, so wie es ist akzeptieren. Der größte Verlierer der Wahl war nach Ansicht von Beobachtern der christliche Oppositionsführer Michel Aoun, der in mindestens drei der Hauptgebiete der Christen verlor. Zu der Allianz von Hisbollah und Christen-General Aoun gehört noch die schiitische Amal. Zur pro-westlichen Mehrheit gehören neben Hariri mehrere christliche Gruppen und der Drusenführer Walid Dschumblatt.

Nach Angaben des Innenministeriums lag die Wahlbeteiligung zwischen 55 und 65 Prozent. In christlichen Gebieten sei sie höher als in muslimischen gewesen. Den ganzen Tag über hatten sich vor vielen Wahllokalen lange Schlangen gebildet.

In dem arabischen Land, das seit dem Bürgerkrieg (1975-1990) eine große Exilgemeinde hat, sind 3,2 Mio. Menschen wahlberechtigt. Eine Briefwahl gibt es nicht. Daher waren in den vergangenen Tagen zahlreiche Exil-Libanesen, auch aus Deutschland, in die alte Heimat gereist. Um die 128 Sitze, die jeweils zur Hälfte von Muslimen und Christen besetzt werden müssen, bewarben sich diesmal 587 Kandidaten.

Nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen sunnitischen und schiitischen Mitgliedern der beiden Blöcke im Frühjahr 2008, hatten sich die libanesischen Parteien auf die Bildung einer Einheitsregierung geeinigt. Dieser Regierung gehört auch die Hisbollah an, die im Sommer 2006 Krieg gegen Israel geführt hatte. Dass die vom Iran und von Syrien unterstützte Schiiten-Bewegung ihre Waffen im innenpolitischen Machtkampf 2008 gegen Libanesen eingesetzt hatte, hat das Klima in Beirut nachhaltig vergiftet.

In einigen Wahlbezirken kam es nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA zu Schlägereien zwischen den Anhängern der rivalisierenden Parteien und unabhängigen Kandidaten. Die Prügeleien wurden von der Armee beendet. Auch mehrere Beschwerden wegen angeblich gefälschter Wählerausweise und Stimmenkauf gingen bei den Wahlleitern ein.

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