Problematische Zustände
Autofahren ohne Kopftuch kommt Iranerinnen teuer zu stehen

Zuletzt wirkte der Iran moderater, fast schon weltoffen. Zwei juristische Begebenheiten vom Wochenende zeigen, dass das Land noch weit von einer liberal-demokratischen Staatsform entfernt ist.
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TeheranIm Iran sind am Wochenende mehrere aus menschenrechtlicher Sicht problematische Entscheidungen gefallen. Zum einen will der Rechtsausschuss des iranischen Parlaments für Frauen ohne Kopftuch im Auto ein Bußgeld verhängen. „Frauen, die im Auto das Kopftuch ablegen, müssen demnächst eine Million Rials (umgerechnet 30 Euro) Strafe bezahlen“, sagte ein Sprecher des Ausschusses der Nachrichtenagentur Tasnim am Sonntag.

Frauen im Iran müssen in der Öffentlichkeit Kopftuch und einen langen Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verdecken. Sonst drohen ihnen Geldstrafen oder gar kurzfristige Verhaftungen. Dennoch wird diese strikte Kleiderordnung von den meisten Iranerinnen nicht eingehalten, besonders nicht im Sommer und bei Temperaturen über 40 Grad. Außerdem wird das Auto von ihnen nicht als öffentlicher Raum angesehen. Nun könnte das für sie zum Problem werden.

Auch der Haftantritt des Sohnes des früheren iranischen Präsidenten Haschemi Rafsandschani hat am Sonntag für Kritik gesorgt. Mahdi Rafsandschani muss eine zehnjährige Gefängnisstrafe verbüßen. Das meldete die amtliche Teheraner Nachrichtenagentur Irna. Rafsandschani habe seine Verurteilung wegen Korruption und Sicherheitsverstößen erneut als ungerecht und politisch motiviert bezeichnet, hieß es. Er forderte demnach erneut, seinen unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozess im Fernsehen zu übertragen. Das haben die Behörden bereits abgelehnt. Mehrere Familienangehörige begleiteten ihn zum Tor des Teheraner Gefängnisses Evin.

Einige Beobachter sehen in der Verurteilung Mahdi Rafsandschanis einen Versuch von Hardlinern, seinen Vater vor der Parlamentswahl politisch zu schwächen. Gleichzeitig wird dann die Versammlung gewählt, die den Obersten geistlichen Führer des Landes wählt.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • Als wertegemeinschaftlich denkender Gutmensch meine ich, dass es auch in der EU Pflicht werden sollte mit Kopftuch Auto zu fahren. Immerhin gehört der Islam
    zu Deutschland.

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