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Ein Lord, der Labour retten könnte

Peter Mandelson gilt als schlau, einflussreich und charismatisch. Als Minister im britischen Kabinett steht er einem gewaltigen Ressort vor. Jetzt könnte er zum ernsthaften Konkurrenten für Gordon Brown werden. Warum seine Partei dennoch zögert, ihn als Spitzenkandidat zu nominieren.

Er hat einen Titel von operettenhafter Länge, ist in einem gigantischen Ressort für Handel, Wirtschaft, Industriepolitik, Forschung und Universitäten zuständig, entscheidet in 35 von 43 Kabinettsausschüssen mit über Afghanistanstrategie, Verfassungsreformen oder Hochwasserschutz. Vor allem aber hält Baron Peter Mandelson of Foy, Lord President of the Council, First Secretary of State und Minister für Handel, Innovation und Bildung, Premierminister Gordon Brown über Wasser. Doch nun könnte er zur ernsthaften Konkurrenz werden.

Im Juni erst vereitelte Mandelson im Alleingang einen Putsch gegen Brown. Seitdem nennen die Tories ihn den "ungewählten Premier". Es werden Stimmen lauter, warum Mandelson nicht gleich die Partei übernimmt und Premier wird, vielleicht im Herbst, wenn Brown aus dem Amt gejagt wird. "Mandelson ist der einzige, der den Einfluss, die Intelligenz und das Charisma hat, um für Labour die nächste Wahl zu gewinnen", sagte der Vorsitzende von Labours Unternehmergruppe, Peter Slowe, und warnte gleich, die Wirtschaft werde Labour nicht unterstützen, solange Brown im Amt sei.

Mandelson war EU-Handelskommissar in Brüssel; sein Rückruf ins Kabinett nach London war eine politische Sensation - waren Brown und Mandelson doch Erzfeinde, seit Tony Blair 1994 Labour-Parteichef wurde. Immer wieder hieben die beiden aufeinander ein. Browns Schergen sorgten indirekt dafür, dass Mandelson zweimal als Minister zurücktreten musste; kein britischer Minister hatte so viele politische Comebacks wie Mandelson. Die Briten haben seine Verwandlung vom schnauzbärtigen Parteistrategen mit großer Trickkiste zum aalglatten Elder Statesman mit Erstaunen verfolgt.

Brown ist nun im Urlaub. Kein Tag, an dem Mandelson nicht glatt, etwas arrogant, in perfektem Upperclass-Akzent die Strategie von Labour erläutert. "Die nächste Wahl wird hart", räumte er angesichts eines 18-Punkte-Vorsprungs der Tories ein.

Warum also spielt Labour nicht die Karte Mandelson und bringt seinen kompetentesten Mann in Stellung? Mandelson sei im Oberhaus und könne gar nicht gewählt werden, heißt es. Aber erst diesen Monat wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach Lords hinfort wieder "bürgerlich" werden dürfen. Eine Lex Mandelson? "Das wäre wohl ein Comeback zu viel", wehrte Mandelson ab. Ein hartes Dementi ist das nicht.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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